
Italien hat die am 1. August wiedereingeführten außergewöhnlichen Grenzkontrollen für Reisende aus Spanien verlängert. Als Begründung werden „anhaltende Bedrohungen der öffentlichen Ordnung und der Steuerung der Migrationsströme“ nach dem massenhaften Grenzübertritt von über 70.000 Migranten Ende Juli in Ceuta genannt. Die am 15. September angekündigte Verlängerung sieht vor, dass Passkontrollen an allen italienischen Flughäfen und Seehäfen mit Verbindungen nach Spanien mindestens bis zum 30. September bestehen bleiben. Für spanische und multinationale Unternehmen, die auf die stark frequentierten Geschäftsverbindungen Barcelona–Mailand und Madrid–Rom angewiesen sind, bedeutet dies längere Wartezeiten bei der Ankunft in Italien, stichprobenartige Nachkontrollen und den Verlust von Privilegien für Vielreisende wie die Nutzung von automatischen Passkontrollsystemen (e-Gates). Fluggesellschaften empfehlen ihren Passagieren bereits, für die Grenzformalitäten zwei Stunden mehr einzuplanen, während Spediteure vor möglichen Verzögerungen bei zeitkritischen „Handcarry“-Sendungen warnen, die für das Industriezentrum Norditaliens bestimmt sind. Die Maßnahme setzt die Schengen-Freizügigkeit auf den Spanien-Italien-Routen damit zum zweiten Mal in Folge faktisch außer Kraft und wirft Fragen zur Verhältnismäßigkeit gemäß Artikel 25 des Schengener Grenzkodex auf, der eine zeitlich strikt begrenzte und regelmäßige Überprüfung der Wiedereinführung von Kontrollen vorschreibt. Madrid reagiert bislang diplomatisch und verzichtet auf Gegenkontrollen bei italienischen Einreisen, behält sich jedoch das Recht vor, „zum Schutz spanischer Interessen zu handeln“, falls die Kontrollen dauerhaft werden. Reise-Risikomanager sollten automatische Reisegenehmigungen aktualisieren: Mitarbeiter, die über Rom-Fiumicino oder Mailand-Malpensa aus Nicht-Schengen-Drehkreuzen einreisen, benötigen nun eine ausreichende Passgültigkeit und gegebenenfalls Mehrfach-Schengen-Visa, die sowohl Spanien als auch Italien abdecken. Spanische Staatsangehörige mit Wohnsitz im Ausland sollten zudem mit verstärkten Dokumentenkontrollen rechnen und Nachweise über Weiterreise und Unterkunft bereithalten, da die italienische Grenzpolizei die Überprüfung der Unterlagen verschärft hat.
Quelle: El País
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