
Das spanische Ministerium für Inklusion, Soziale Sicherheit und Migration hat überraschend die Pläne zur Vergabe eines Notfallvertrags an Telefónica zur Installation von kostenlosem WLAN an drei Aufnahmezentren für Migranten in Ceuta gestrichen. Der Auftrag im Wert von 300.000 Euro – erteilt gemäß Artikel 120 des Gesetzes über öffentliche Aufträge, um ein offenes Ausschreibungsverfahren zu umgehen – wurde weniger als eine Woche nach Medienberichten über das Vergabeverfahren ohne Ausschreibung zurückgezogen, was Kritik von Oppositionsparteien und zivilgesellschaftlichen Gruppen auslöste. Die technische Notwendigkeit für eine Internetverbindung besteht weiterhin, doch die Zuständigkeit für die Umsetzung wurde nun an die Staatliche Digitalverwaltungsbehörde im Ministerium für Digitale Transformation übertragen. In der Zwischenzeit hat Orange eine mobile Basisstation eingerichtet, um die grundlegende Sprach- und Datenabdeckung rund um das Lager am Hafen sowie in informellen Siedlungen nahe El Tarajal zu verbessern. Aus Sicht des Mobilitätsmanagements zeigt dieser Vorfall, wie Transparenzbedenken selbst kleine Infrastrukturmaßnahmen zur Unterstützung der Migrantenaufnahme zum Scheitern bringen können. Ohne verlässliches Internet sind Registrierungsbeamte, humanitäre NGOs und Migrationsanwälte auf Papierprozesse angewiesen, was die Bearbeitungszeiten verlängert und den Aufenthalt der Migranten in den Übergangseinrichtungen ausdehnt. Die Verzögerung wirkt sich auch auf Geschäftsreisende und Logistikunternehmen aus, die auf reibungslose digitale Systeme an Grenzposten angewiesen sind. Für die Zukunft erwägt das Ministerium, die Ausschreibung so zu überarbeiten, dass mehrere Telekommunikationsanbieter konkurrieren können. Unternehmen, die im Bereich Notfalldienste tätig sind, sollten sich auf einen schnellen Neustart unter den üblichen Vergaberegeln einstellen, während Reiseleiter mit Personal, das durch Ceuta reist, mit sporadischen Verbindungsproblemen rechnen müssen, bis dauerhafte Netzwerke eingerichtet sind.
Quelle: El País / Cinco Días