
Fünfzig Tage nach dem geschätzten Zustrom von 12.000 Menschen über den Wellenbrecher, der Ceuta von Marokko trennt, kämpft die spanische Enklave weiterhin darum, den Neuankömmlingen menschenwürdige Unterkünfte und rechtliche Klarheit zu bieten. Laut einem Bericht von El País vor Ort sind mehr als 10.000 Männer, Frauen und Kinder auf hastig eingerichtete Aufnahmezentren, beschlagnahmte Lagerhallen und eine wachsende Zahl provisorischer Lager an Stränden und auf freien Flächen verteilt. Die lokalen Behörden haben Sporthallen, Militärkasernen und sogar einen stillgelegten Jahrmarkt in Notunterkünfte umgewandelt, doch die Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus. Zivilgesellschaftliche Gruppen warnen vor überlasteten Sanitär- und medizinischen Diensten; das regionale Krankenhaus war letzte Woche mit über 110 % ausgelastet, und NGOs berichten von Ausbrüchen von Krätze und Magen-Darm-Infektionen. Madrid hat zusätzliche Asylbearbeiter entsandt und 114 Millionen Euro EU-Notfallmittel zugesagt, um zwei dauerhafte Identifikationszentren mit jeweils 800 Betten zu errichten – eines in Ceuta, das andere in Melilla – doch diese Einrichtungen werden frühestens Anfang 2027 eröffnet. Bis dahin versuchen Triage-Teams, Asylbewerber von Personen zu trennen, die für humanitäre Rückkehrprogramme infrage kommen, während unbegleitete Minderjährige – offiziell fast 2.000 – weiterhin unter städtischer Obhut stehen. Für Arbeitgeber, die auf saisonale nordafrikanische Arbeitskräfte angewiesen sind, stört der Engpass bereits die Einstellungspläne für die kommende Zitrusernte. Auch Einwanderungsanwälte verzeichnen eine Zunahme von Anfragen von Unternehmen, wie sich die Krise auf innerbetriebliche Versetzungen im Rahmen der spanischen Unternehmergesetzgebung auswirken könnte. Unternehmen mit entsandten Mitarbeitern in Ceuta sehen sich mit Sicherheitsbeschränkungen konfrontiert, die die Bewegungsfreiheit nach Einbruch der Dunkelheit einschränken. Die Lage verdeutlicht die Fragilität der Schengen-internen Grenzpolitik: Spanien hat die Kontrollen auf See- und Luftverbindungen nach Italien bis mindestens 22. September wieder eingeführt, während Italien weiterhin Stichproben bei spanischen Ankünften durchführt. Mobilitätsmanager sollten mit Ausweiskontrollen und möglichen Verzögerungen auf allen Routen rechnen, die die Enklave oder die sie bedienenden Festlandhäfen berühren.
Quelle: El País