
Das französische Innenministerium bestätigte am Mittwoch, dass Verhandlungen mit dem britischen Innenministerium aufgenommen wurden, um das seit Juli 2025 geltende experimentelle „One-in, One-out“-Abkommen zur Rückführung von Migranten über den Ärmelkanal aufzulösen. Das Abkommen erlaubte London, jeden irregulären Migranten, der in kleinen Booten aufgegriffen wurde, nach Frankreich zurückzuschicken – im Gegenzug nahm Großbritannien jeweils einen Asylbewerber auf, der bereits familiäre Verbindungen im Land hatte. Das Abkommen sollte am 1. Oktober auslaufen, und die neue Labour-Regierung in Westminster hatte sich intensiv für eine Verlängerung eingesetzt, da der legale Aufnahmeweg eine humanitäre Alternative zu gefährlichen Überfahrten darstelle. Paris hingegen betrachtet die Vereinbarung als politisch problematisch und administrativ belastend. Innenminister Bruno Retailleau kritisiert seit Langem die „symbolische Symmetrie“ des Austauschs zweier sehr unterschiedlicher Migrantenprofile und betont, dass französische Ressourcen besser in die Bekämpfung von Schleusern an der Nordküste investiert werden sollten. Laut Ministeriumsangaben wurden in 14 Monaten lediglich 935 Asylbewerber nach Großbritannien transferiert, während fast ebenso viele abgelehnte Migranten nach Frankreich zurückgebracht wurden – deutlich weniger als bei Vertragsabschluss erwartet. Die Beendigung des Abkommens wird beide Hauptstädte zwingen, die Zusammenarbeit bei der Kontrolle der Kanalüberquerungen neu zu gestalten. London investiert schätzungsweise 120 Millionen Euro jährlich in französische Küstenpatrouillen und Hightech-Überwachung; Diplomaten berichten, dass Großbritannien nun auf eine härtere gemeinsame Durchsetzung statt des Austauschmechanismus drängen wird. Frankreich hingegen möchte, dass der im Juni in Kraft getretene neue EU-Pakt für Migration und Asyl Vorrang vor ad-hoc bilateralen Abkommen erhält. Für multinationale Unternehmen, die Mitarbeiter zwischen beiden Ländern entsenden, bedeutet das Ende von „One-in, One-out“ den Wegfall eines speziellen humanitären Kanals, könnte aber auch zu verschärften Grenzkontrollen führen, falls die französische Polizei von Verwaltungsaufgaben auf Abschreckung umsteigt. Personalabteilungen sollten ihre Entsandten darauf vorbereiten, dass die politische Aufmerksamkeit auf den Ärmelkanal voraussichtlich zu strengeren Dokumentenkontrollen in Calais, Dünkirchen und an den Eurostar-Terminals während der Reise-Hochsaison zum Jahresende führen wird. Unternehmen, die den legalen Aufnahmeweg für Familienzusammenführungen nutzen, müssen alternative britische Visa prüfen, etwa den Familiennachzug für Flüchtlinge oder neue humanitäre Sponsoring-Programme, die derzeit im Parlament diskutiert werden.
Quelle: Reuters via Devdiscourse
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