
Das belgische Abgeordnetenhaus hat die Abstimmung über einen Gesetzentwurf erneut verschoben, der es den Strafverfolgungsbehörden ermöglichen würde, mit richterlicher Genehmigung private Wohnungen zu betreten, um ausreisepflichtige Ausländer mit endgültigem Abschiebebescheid festzunehmen. Der am 3. Juni 2026 von Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt und Justizministerin Annelies Verlinden eingebrachte Entwurf hat die Ausschussphase bereits passiert, wird nun jedoch aufgrund von Einwänden von Datenschutzbefürwortern einer weiteren rechtlichen Prüfung unterzogen. Befürworter argumentieren, dass die bestehenden Regelungen Abschiebungen nahezu unmöglich machen, wenn Betroffene die Tür nicht öffnen, was die Glaubwürdigkeit des belgischen Migrationssystems untergräbt. Der Entwurf beschränkt das Betreten von Wohnungen auf Fälle, die eine Gefahr für die öffentliche Ordnung oder die nationale Sicherheit darstellen, und verlangt die Zustimmung eines Ermittlungsrichters – ähnlich den Durchsuchungsbeschlüssen im Strafrecht. Menschenrechtsorganisationen warnen jedoch, dass die Maßnahme die Grenze zwischen Migrationskontrolle und Strafverfolgung verwische und möglicherweise undokumentierte Familien davon abhalte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Zudem wird bezweifelt, ob die richterliche Kontrolle bei schnellen Abschiebeaktionen wirklich wirksam sein kann. Für Arbeitgeber hochmobiler Mitarbeiter ist die politische Debatte von Bedeutung, da sie Belgiens generelle Tendenz zu strengeren Durchsetzungsmaßnahmen unterstreicht – ein Trend, der zu mehr Arbeitsplatzkontrollen und strengeren Dokumentenprüfungen führen könnte. Unternehmen, die ausländische Fachkräfte beschäftigen, sollten daher ihre Compliance-Programme überprüfen und sicherstellen, dass betroffene Mitarbeiter ihre Aufenthaltstitel stets aktuell halten, um nicht in den Fokus des Gesetzes zu geraten. Ein neuer Abstimmungstermin wurde von den Parlamentsführungen noch nicht festgelegt, doch wird erwartet, dass das Thema nach der Herbstpause wieder auf die Tagesordnung kommt, was die Mobilitätsteams multinationaler Unternehmen weiterhin in Unsicherheit über die endgültigen Durchsetzungsregeln versetzt.
Quelle: Brussels Morning
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