
Das lang erwartete Migrationsreformpaket Belgiens ist diese Woche offiziell in Kraft getreten und bringt die stärkste Erhöhung der Einbürgerungskosten sowie die strengsten Bedingungen für die Familienzusammenführung seit zwei Jahrzehnten mit sich. Ab dem 19. Februar 2026 müssen Antragsteller auf die belgische Staatsbürgerschaft eine Verwaltungsgebühr von 1.000 € zahlen – statt bisher 150 €. Dieser Betrag wird jährlich indexiert und ist nun die höchste Gebühr dieser Art im Benelux-Raum. Laut Innenministerium soll die höhere Gebühr „die tatsächlichen Kosten der Fallbearbeitung widerspiegeln und besser vorbereitete Anträge fördern“. Kritiker, darunter Migrantenrechtsorganisationen und mehrere Oppositionsabgeordnete, warnen jedoch, dass die Maßnahme einkommensschwächere Bewohner von der Staatsbürgerschaft ausschließe und „einen zweigleisigen Weg schafft, bei dem sich nur Wohlhabende den belgischen Pass leisten können“. Anwälte berichten bereits von einem Anstieg unvollständiger Anträge, da Familien nun dringend ihre Personenstandsdokumente aktualisieren müssen, die bei Antragstellung nicht älter als sechs Monate sein dürfen. Auch für die Familienzusammenführung gelten nun strengere Auflagen: Antragsteller müssen ein nachweisbares Einkommen von mindestens 120 % des belgischen Mindestlohns vorweisen und geeigneten Wohnraum nachweisen, bevor Visa für Ehepartner, Partner oder Kinder ausgestellt werden. Abhängige über 15 Jahre müssen sich innerhalb von 60 Tagen nach Ankunft an einer belgischen Schule einschreiben, während erwachsene Partner innerhalb eines Jahres einen Integrationskurs bestehen müssen, um ihren Aufenthaltstitel nicht zu verlieren. Für internationale Unternehmen hat dies sofortige finanzielle und organisatorische Folgen. Multinationale Konzerne, die Mitarbeiter nach Brüssel oder Antwerpen entsenden, müssen die höheren Einbürgerungsgebühren in ihre langfristigen Einsatzpläne einrechnen und längere Vorlaufzeiten für die Aktualisierung der Dokumente einplanen. Mobility-Manager warnen, dass Umzüge mit Begleitfamilien verschoben oder in Pendelmodelle umgewandelt werden könnten, insbesondere bei Führungskräften im mittleren Management, deren Gehälter nahe an der neuen Einkommensgrenze liegen. Politisch betont die Regierung, dass die Maßnahmen notwendig seien, um die sogenannte „Kettenmigration“ vor den Bundeswahlen 2027 einzudämmen. Erste Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass bereits Berufungen vorbereitet werden und das belgische Verfassungsgericht noch in diesem Jahr über die Verhältnismäßigkeit der neuen Gebühren entscheiden könnte. Unternehmen wird daher geraten, die Rechtsverfahren genau zu verfolgen und entsprechende Notfallpläne in ihre Personalplanung zu integrieren.
Quelle: ObservAlgérie
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