
Der Innenausschuss Belgiens widmete den 22. April der eingehenden Analyse eines Regierungsentwurfs, der die Verfahren beim Rat für Ausländerrechtliche Streitigkeiten (CALL), dem höchsten Verwaltungsgericht für Einwanderungs- und Asylangelegenheiten, grundlegend reformieren soll. Der Gesetzentwurf sieht erstmals vor, dass CALL-Richter vertrauliche Informationen von Staatssicherheitsbehörden und anderen Diensten bei Entscheidungen über Abschiebungen oder Asylablehnungen mit nationalen Sicherheitsaspekten einsehen dürfen. Auch die Anwälte der Antragsteller könnten diese Informationen einsehen – allerdings nur nach Erlangung einer Sicherheitsfreigabe, ein Verfahren, das Kritiker als langwierig (bis zu einem Jahr) und kostspielig (mehrere tausend Euro) bemängeln. Die Anwaltsverbände Avocats.be und Orde van Vlaamse Balies warnen, dass diese Regelungen zu einer Ungleichbehandlung führen würden, da andere Verwaltungsbeschwerden nicht solchen Einschränkungen unterliegen. Für Manager im Bereich globale Mobilität sind die Auswirkungen zweigleisig: Einerseits könnte der schnellere Zugang zu Geheimdienstinformationen die Dauer von Berufungsverfahren in sensiblen Fällen verkürzen und Arbeitgebern mehr Klarheit darüber verschaffen, ob ein Mitarbeiter mit unsicherem Aufenthaltsstatus gehalten oder ersetzt werden sollte. Andererseits erhöht der Entwurf die Verfahrenskomplexität und könnte die Kosten steigern, wenn spezialisierte, sicherheitsfreigegebene Anwälte erforderlich sind. Die Aufsichtskommission Committee R fordert klarere Schutzmechanismen, und Oppositionsabgeordnete drängten Ministerin Anneleen Van Bossuyt, unklare Formulierungen zu überarbeiten. Die Abstimmung über die einzelnen Artikel ist für nächste Woche geplant, Beobachter rechnen jedoch mit Änderungen im Plenum. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde Belgien sich den Niederlanden und Frankreich anschließen, die bereits eine eingeschränkte gerichtliche Überprüfung von geheimen Beweismitteln erlauben – ein Teil eines breiteren europäischen Trends, der die Rechte auf ein faires Verfahren mit Sicherheitsinteressen in Einklang bringen will. Arbeitgeber sollten den finalen Text aufmerksam verfolgen und ihre Beratungsstrukturen im Bereich Einwanderung entsprechend anpassen.
Quelle: The Brussels Times