
Ein am 2. Mai 2026 veröffentlichter diplomatischer Telegramm weist US-Konsulate weltweit – darunter die stark frequentierten Vertretungen in São Paulo, Rio und Brasília – an, bei jedem Antragsteller für ein Nichteinwanderungsvisum zwei neue Fragen zu stellen: Ob sie in ihrem Heimatland Schaden erlitten haben und ob sie befürchten, bei einer Rückkehr Schaden zu erleiden. Die Antragsteller müssen beide Fragen mit „Nein“ beantworten, sonst kann das Interview nicht fortgesetzt werden. Obwohl dies als Maßnahme zur Betrugsprävention dargestellt wird, warnen Einwanderungsanwälte, dass diese Änderung die Hürden für Brasilianer erhöht, die später in den USA Asyl oder humanitären Schutz beantragen möchten. Eine während des Visainterviews abgegebene Erklärung „keine Angst“ könnte verwendet werden, um die Glaubwürdigkeit eines späteren Asylantrags zu untergraben und die Antragsteller dem Vorwurf der Falschangabe auszusetzen. Die Anweisung erfolgt parallel zu einer vorübergehenden Aussetzung der Bearbeitung bestimmter US-Einwanderungsleistungen – darunter Arbeitserlaubnisse und DACA-Verlängerungen –, während neue biometrische und kriminalpolizeiliche Überprüfungen eingeführt werden. Zusammen spiegeln diese Maßnahmen Washingtons umfassenderen Versuch wider, das sogenannte „Visa-Intent-Shopping“ zu verhindern und Reisende durch verstärkte Sicherheitsprüfungen zu filtern. Für brasilianische Unternehmen hat dies unmittelbare praktische Folgen. Reiseverantwortliche müssen Mitarbeiter, Studierende und kurzfristige Entsandte über die zusätzlichen Interviewfragen und die rechtlichen Konsequenzen ihrer Antworten informieren. Verzögerungen bei der Terminvergabe in den Konsulaten könnten sich verlängern, falls zusätzliche biometrische Termine erforderlich sind. Globale Mobilitätsteams sollten bei US-Einsatzplänen mehr Vorlaufzeit einplanen, insbesondere für Sommerpraktika und MBA-Programme im August. Anwaltskanzleien empfehlen zudem, bestehende Inhaber von B-1/B-2- und F-1-Visa, die einen Statuswechsel planen, erneut zu prüfen. Eine frühere „Keine-Angst“-Erklärung schließt Asyl nicht automatisch aus, verschafft den US-Einwanderungsbehörden jedoch einen Beweisvorteil. Eine sorgfältige Vorbereitung der Erzählung und unterstützende Dokumente werden für brasilianische Staatsangehörige, die künftig humanitären Schutz suchen, noch wichtiger.
Quelle: CNN Brasil
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