
Die Visa-Arbeitsgruppe des EU-Rats traf sich am 4. Mai im Justus-Lipsius-Gebäude in Brüssel, um einen neuen Bewertungsrahmen zu erarbeiten, der festlegt, wie visafreie Privilegien für Drittstaaten ausgesetzt oder wiederhergestellt werden können. Entwürfe, die den Delegierten vorlagen, führen quantitative Indikatoren für Migrationsrisiken, Betrugsüberwachungsmaßstäbe und eine gemeinsame Liste geprüfter Unternehmen ein, die Anspruch auf eine vereinfachte Schengen-Visumabwicklung haben. Die österreichische Delegation setzte sich laut Angaben von Beamten für eine automatisierte Datenübermittlung an die Entry/Exit-Systeme (EES) und Advance Passenger Information (API) ein, um den manuellen Aufwand in Konsulaten in stark frequentierten Märkten wie Indien und den Golfstaaten zu reduzieren. Wien argumentiert, dass strengere, algorithmusbasierte Schwellenwerte es den Mitgliedstaaten ermöglichen, Ressourcen gezielt auf tatsächliche Überziehungsrisiken zu konzentrieren, anstatt alle Kurzzeitbesucher pauschal zu überprüfen. Österreichs Wirtschaftskammern haben sich für vorhersehbare und transparente Ausnahmeregelungen starkgemacht, nachdem die EU in den letzten Jahren mehrfach knapp davon abgesehen hatte, visafreien Zugang für Partner aus dem Westbalkan zu streichen – ein Schritt, der Lieferketten in der Fertigung und saisonale Arbeitskräfteflüsse erheblich gestört hätte. Sollte der Rahmen im Juni von den Justiz- und Innenministern des Rates angenommen werden, fließt er in eine umfassende Überarbeitung des Schengen-Visakodex ein, die für Ende 2026 geplant ist. Mobilitätsfachleute sollten die vorgeschlagene „Weiße Liste“ geprüfter Unternehmen im Blick behalten: Nach ihrer Einführung könnte sie die Bearbeitungszeit für Einladungsschreiben österreichischer Multis, die sich früh registrieren, um mehrere Tage verkürzen. Die Arbeitsgruppe prüfte zudem einen Kommissionsentwurf zur Aufhebung länderspezifischer Beschränkungen für Äthiopien – ein Hinweis darauf, dass die neue Methodik rasch in politische Maßnahmen umgesetzt werden könnte, die afrikanische Wachstumsmärkte betreffen, die für österreichische Bau- und Ingenieurunternehmen von Bedeutung sind.
Quelle: Council of the EU
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