
Pendler, die auf ein Ende der vorübergehenden Schengen-Kontrollen in Deutschland hoffen, müssen sich weiter gedulden. In einem am 12. Juni veröffentlichten Interview schloss Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) eine Aussetzung der Kontrollen an den Landgrenzen zu Belgien und den Niederlanden aus. Trotz des neuen EU-Pakts bestehe weiterhin hoher Migrationsdruck. Deutschland hatte die Kontrollen im September 2024 wiedereingeführt und seitdem dreimal verlängert, zuletzt bis Mitte September 2026. Reul räumte ein, kein großer Freund innerer Grenzen zu sein, betonte jedoch, dass die Maßnahme „dabei hilft, die Migrationslage zu ordnen“. Diese Aussage steht im Widerspruch zu den EU-Institutionen, die argumentieren, dass die neu eingeführte Kontrolle an den Außengrenzen die internen Kontrollen überflüssig machen sollte. Für belgische Pendler, die täglich nach Aachen, Köln oder Düsseldorf zur Arbeit fahren, bedeutet die Entscheidung weiterhin stichprobenartige Kontrollen und längere Staus zu Stoßzeiten auf den Autobahnen E40 und E314. Auch Bahnreisende auf der ICE-Strecke Brüssel–Aachen berichten von gelegentlichen Ausweiskontrollen durch die Bundespolizei an Bord. Reiseveranstalter warnen, dass Busfahrpläne zu deutschen Weihnachtsmärkten – die bereits im Verkauf sind – wegen möglicher Verzögerungen angepasst werden müssen. Firmen, die Techniker nach NRW schicken, wird empfohlen, sowohl Reisepässe als auch Aufenthaltstitel mitzuführen und für Kundentermine 30 Minuten Puffer einzuplanen. Diplomatisch wird erwartet, dass Brüssel das Thema beim nächsten Benelux-NRW-Regionalforum anspricht und darauf hinweist, dass die anhaltenden Kontrollen den Geist von Schengen untergraben, gerade jetzt, wo die EU ihr Außengrenzenmanagement verstärkt.
Quelle: Express (DE)