
Die Arbeitsgruppe Visa des Rates der Europäischen Union kam heute Morgen (25. Juni 2026) in Brüssel zu ihrer jüngsten Sitzung zusammen – der ersten seit Inkrafttreten des neuen Migrations- und Asylpakts der EU Anfang dieses Monats. Delegierte aus allen 27 Mitgliedstaaten, den Schengen-assoziierten Partnerländern (Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein) sowie der Europäischen Kommission prüften ein Diskussionspapier, das eine neue Methodik zur Bewertung vorschlägt, ob Drittstaatsangehörige weiterhin visumfrei in den Schengen-Raum einreisen dürfen. Nach den aktuellen Regeln muss die Kommission visumfreie Partner regelmäßig auf Risiken wie irreguläre Migration, Sicherheitsbedrohungen und Gegenseitigkeit überwachen. Mitgliedstaaten kritisieren jedoch, dass die Bewertungen uneinheitlich und politisch sensibel seien. Der neue Rahmen würde Auslöseindikatoren formalisieren (zum Beispiel einen 50 %igen Anstieg der Asylanträge oder Überziehungen im Jahresvergleich) und die Kommission verpflichten, alle sechs Monate eine öffentliche Bewertung vorzulegen. Belgien – Gastgeber sowohl des Ratssekretariats als auch der Frontex-Kontaktstellen – begrüßte diesen Schritt und betonte, dass er den Grenzbehörden klarere Leitlinien für die Planung von Kontrollen und Befördererpflichten geben werde. Für belgische Arbeitgeber, die Mitarbeiter innerhalb der EU versetzen, ist die Diskussion mehr als theoretisch. Sollte ein Land wie Argentinien oder Georgien seinen visumfreien Status verlieren, müssten Unternehmen plötzlich Schengen-C-Visa für kurzfristige Entsendungen beantragen – ein Verfahren, das Projektzeitpläne um vier bis sechs Wochen verlängern kann. Reise-Management-Firmen berichteten den Brussels Times, dass sie bereits alternative Talentpools sondieren und mögliche Visagebühren in ihre Budgets einplanen. Die Arbeitsgruppe bewertete zudem erste Rückmeldungen von Fluggesellschaften zum Start des EU-Einreise-/Ausreisesystems (EES), der im Oktober ansteht. Die Airlines äußerten Bedenken hinsichtlich der Bearbeitungszeiten am Flughafen Brüssel, wo die Arbeiten an den elektronischen Kontrollstellen hinter dem Zeitplan liegen. Das belgische Innenministerium bestätigte, dass während der Pilotphase im Sommer zusätzliches Grenzpolizeipersonal eingesetzt wird, um lange Warteschlangen zu vermeiden. Nächste Schritte: Der Rat wird die Justiz- und Innenminister im Juli einladen, den Bewertungsrahmen zu verabschieden. Bei Annahme könnte die erste öffentliche Bewertung bereits im Dezember 2026 erscheinen und Unternehmen eine seltene vorausschauende Einschätzung zur Stabilität der Visumfreiheit bieten.
Quelle: Council of the European Union
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