
Nach einer bahnbrechenden Autobahn-Demonstration am Brenner im Mai haben Tiroler Bürgerinitiativen von der Polizei die Genehmigung erhalten, die B179 Fernpassstraße diesen Samstag von 10:00 bis 12:00 Uhr zu blockieren. Der Fernpass ist die wichtigste Alternative zum Brenner für Autofahrer aus Süddeutschland, die nach Westösterreich und weiter nach Italien reisen. Die Sperrung fällt genau auf das erste große Ferienwochenende mehrerer deutscher Bundesländer, und der ADAC warnt, dass schon eine zweistündige Sperrung Kettenreaktionen mit erheblichen Verzögerungen auf den Zubringerautobahnen A7 und A96 auslösen könnte. Die Tiroler Landesregierung hat ihr Sommerverbot für „Schleichwege“ verlängert, sodass ausländische Fahrzeuge, die versuchen, Staus über Ortsstraßen zu umgehen, mit Bußgeldern von 220 Euro rechnen müssen. Für Logistikunternehmen ist der Zeitpunkt ungünstig: Samstag ist ein geplanter Lkw-Sperrtag auf der Inntalstrecke, weshalb viele Spediteure eine Umleitung über den Fernpass vorgesehen hatten. Nun stehen sie vor der Wahl zwischen nächtlichen Abfahrten oder einem 250 Kilometer langen Umweg über Vorarlberg und den Arlbergtunnel. Die Protestorganisatoren wollen auf das sogenannte „Transitelend“ aufmerksam machen und schnellere Entscheidungen zum lang geplanten Basistunnel am Fernpass erzwingen. Die regionale Handelskammer entgegnet, dass wiederholte Straßenblockaden Tirols Ruf als verlässliche Transitroute schädigen und den Güterverkehr auf umweltschädlichere Strecken zurückdrängen könnten. Arbeitgeber mit Pendlern zwischen München und Innsbruck wurden geraten, Transfers auf Freitagabend zu verlegen oder bis Sonntagnachmittag zu verschieben, wenn sich die Reststaus aufgelöst haben.
Quelle: Südwest Presse / dpa