
Nur wenige Tage vor dem Höhepunkt der Sommerreisesaison sorgt das Ein- und Ausreisesystem der Europäischen Union (EES) für lange Warteschlangen an den Passkontrollen im gesamten EU-Raum. Das biometrische Registrierungssystem, das Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Drittstaatsangehörigen erfasst, wurde diese Woche vollständig eingeführt. An den Flughäfen in Paris und Lissabon berichtete man von Wartezeiten von über zwei Stunden, nachdem die automatischen Kontrollschleusen unter der Last versagten, so die österreichische Tageszeitung Kurier. Obwohl der Flughafen Wien (VIE) bisher größere Verzögerungen vermeiden konnte, erklärte der Betreiber Flughafen Wien AG gegenüber Exxpress, die Lage „stündlich zu beobachten“ und bei Ausfall der e-Gates manuelle Kontrollstellen vorab freigegeben zu haben. Nach EU-Vorgaben dürfen Mitgliedstaaten das EES bei „außergewöhnlich hohem Verkehrsaufkommen“ vorübergehend aussetzen, müssen solche Ausnahmen jedoch an Brüssel melden. Fachanwälte für Einwanderungsrecht warnen, dass die langen Schlangen das 24-Stunden-Schengen-Transfermodell vieler Unternehmen für zeitkritische Kundenbesuche gefährden. Reisende, die während der Pilotphase vorregistriert wurden, müssen den Prozess mitunter erneut durchlaufen, da die Datenbanken nicht in Echtzeit synchronisieren. Die technischen Probleme treten zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt auf: Österreich steht bereits wegen einseitiger Grenzkontrollen an den Landgrenzen zu Ungarn und Slowenien unter EU-Beobachtung, mit Verweis auf Migrationsbedenken. Jeglicher Eindruck, dass die digitale Grenzkontrolle nicht reibungslos funktioniert, könnte den Druck erhöhen, diese Kontrollen zu verlängern. Der Flughafenverband ACI Europe fordert eine gestaffelte Einführung, empfiehlt den Fluggesellschaften, die Check-in-Zeiten zu staffeln, und rät Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter bei Langstreckenflügen außerhalb der EU mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen eintreffen zu lassen, bis das System stabil läuft.
Quelle: Exxpress