
Das belgische Außenministerium hat stillschweigend die Gebührenordnung für konsularische Dienstleistungen aktualisiert: Ab Freitag, dem 1. Juli 2026, wird für jedes Langzeitvisum (Typ D) eine Bearbeitungsgebühr von 250 € erhoben, statt bisher 214 € – eine Erhöhung um rund 17 %. Die Änderung wurde am 29. Juni auf mehreren Botschafts-Websites, darunter London und Abu Dhabi, veröffentlicht, sodass Antragsteller nur 48 Stunden Vorlaufzeit hatten. Die neue Gebühr gilt für alle, die eine Aufenthaltsgenehmigung in Belgien für Arbeit, Studium oder Familienzusammenführung beantragen, wobei Familienangehörige aus der EU mit Freizügigkeitsrecht, Inhaber diplomatischer Pässe und Kinder unter 12 Jahren weiterhin befreit sind. Die Gebühr wird zusätzlich zur nationalen Langzeitvisumgebühr von 180 € sowie etwaigen Servicegebühren (z. B. TLScontact in vielen Ländern) erhoben. Im Vereinigten Königreich, wo die Zahlungen in Pfund Sterling erfolgen, hat die Botschaft den neuen Betrag auf 225 £ festgesetzt. Das Innenministerium begründet die Erhöhung mit „inflationsbedingten Verwaltungsmehrkosten“ und dem Bedarf, zusätzliches Personal zur Bearbeitung eines Rückstaus von fast 12.000 Anträgen einzustellen. Laut dem Jahresbericht 2025 des Einwanderungsamts haben sich die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten für D-Visa mit Arbeitserlaubnis im vergangenen Jahr von 28 auf 41 Kalendertage verlängert. Berater für Unternehmensmigration befürchten, dass die höheren Vorauszahlungen – die inklusive biometrischer und Kuriergebühren nun über 500 € pro Hauptantragsteller liegen – kleine und mittelständische Unternehmen davon abhalten könnten, Belgien als Standort zu wählen. Multinationale Unternehmen sorgen sich hingegen mehr um die Dauer der Verfahren als um die Kosten. „Wir können Gebührenerhöhungen einplanen, aber wir können uns keine unvorhersehbaren Bearbeitungszeiten leisten, wenn wir Schlüsselkräfte versetzen“, sagt Anne-Sophie Verbeeck, EMEA-Mobility-Direktorin eines Pharmaunternehmens mit Sitz in Brüssel. Sie erwartet, dass Kunden ihre Anträge diese Woche vorziehen, um die höhere Gebühr zu vermeiden, was die Konsulate überlasten und die Wartezeiten für Termine weiter verlängern könnte. Mit dieser Maßnahme zieht Belgien mit dem Nachbarland Frankreich gleich, das seine Bearbeitungsgebühr für D-Visa im April auf 260 € angehoben hat. EU-Gesetzgeber diskutieren derzeit einen Vorschlag, solche nationalen Zuschläge zu deckeln, da sie den einheitlichen Arbeitsmarkt beeinträchtigen. Bis dahin müssen Arbeitgeber, die Mitarbeiter nach Belgien entsenden, ihre Kostenkalkulationen anpassen und die höheren Ausgaben den Entsandten und deren Familien transparent kommunizieren.
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