
Spanien verzeichnete zwischen dem 1. Januar und dem 15. Juni 2026 insgesamt 10.701 irreguläre Migrantenankünfte – 36 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, so Zahlen des Innenministeriums, die am 4. Juli von Infobae veröffentlicht wurden. Die Ankünfte über See, die traditionell den Großteil der illegalen Einreisen ausmachen, sanken um fast 49 % auf 8.115 Personen, was vor allem auf den deutlichen Rückgang auf der gefährlichen Atlantikroute von Westafrika zu den Kanarischen Inseln zurückzuführen ist. Verantwortlich dafür sind verstärkte Kontrollen durch die spanische Guardia Civil und senegalesische Patrouillen sowie das von der EU finanzierte Satellitenprogramm Seahorse, das eine Echtzeit-Erkennung von Schlauchbooten ermöglicht. Die Ankünfte in Ceuta hingegen haben sich verdreifacht, was auf veränderte Schmuggelrouten in der Straße von Gibraltar hinweist. Für Arbeitgeber bedeutet der Rückgang weniger Druck auf Flüchtlingsaufnahmezentren, beeinträchtigt jedoch nicht die Nachfrage nach legalen Migrationswegen. Das Arbeitsministerium rechnet in diesem Sommer mit einem Mangel von 200.000 Arbeitskräften im Tourismus und in der Landwirtschaft; viele Stellen werden über das neue Legalisierungsprogramm oder zirkuläre Migrationsabkommen mit Kolumbien und Marokko besetzt. NGOs warnen, dass niedrigere Ankunftszahlen nicht zwangsläufig weniger Todesfälle bedeuten. Die Beobachtungsgruppe Caminando Fronteras schätzt, dass in den ersten fünf Monaten 2026 mindestens 289 Menschen auf der Atlantikroute gestorben oder verschwunden sind. Politisch liefern die Daten Argumente für die Regierung, dass der Ausbau legaler Zugangswege mit einer strengeren Grenzüberwachung vereinbar ist – ein Narrativ, das in den bevorstehenden Regionalwahlkämpfen eine wichtige Rolle spielen dürfte.
Quelle: Infobae