
In einem Schreiben vom 5. Juli an Außenminister Antonio Tajani und Innenminister Matteo Piantedosi fordert ANCI – der nationale Verband, der Italiens 7.900 Gemeinden vertritt – „dringende, außergewöhnliche Maßnahmen“, um die zunehmenden Verzögerungen an Flughäfen und Grenzübergängen im Zusammenhang mit dem neuen EU-Einreise-/Ausreisesystem (EES) zu entschärfen. Die seit dem 10. April für Reisende aus Nicht-Schengen-Ländern aktive biometrische Plattform erfasst bei der ersten Einreise Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen und überprüft diese bei späteren Grenzübertritten. ANCI-Präsident Gaetano Manfredi berichtet, dass die durchschnittliche Abfertigungszeit an den Schaltern für Nicht-EU-Bürger am Flughafen Rom-Fiumicino von 38 Sekunden im März auf fast drei Minuten Ende Juni gestiegen ist, mit Spitzenzeiten von 15 bis 20 Minuten pro Passagier, wenn Charterflüge aus dem Golfgebiet und den USA gleichzeitig landen. Ähnliche Engpässe treten an den Straßenübergängen Brenner und Ventimiglia auf, wo französische und österreichische Polizeikräfte gelegentlich wieder Stichprobenkontrollen einführen. Die Gemeinden befürchten Folgewirkungen: längere Passagierschlangen führen zu nächtlichen Ankünften, die den öffentlichen Nahverkehr, Taxiunternehmen und Hotelpersonal überlasten. Manfredi schlägt drei Übergangslösungen vor, die bis zum 31. August gelten sollen: 1) staatlich finanzierte Überstunden für Grenzpolizisten, 2) mobile Erfassungskioske zur Vorregistrierung von Fingerabdrücken für Kreuzfahrt- und Busgruppen sowie 3) eine vorübergehende Ausnahmeregelung, die EU-Bürgern mit gültigem biometrischem Personalausweis erlaubt, die vollständige Fingerabdruckerfassung zu umgehen. Der Appell erfolgt, während Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel bestätigte, dass die EU „mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeitet, um technische Fehler zu beheben“, nachdem Passagiere in Griechenland, Italien und Portugal wiederholt Scanner-Ausfälle gemeldet hatten. Airlines for Europe hat die Kommission aufgefordert, die verpflichtende Fingerabdruckerfassung für die Juli-August-Spitzenzeit auszusetzen, doch Brüssel hält bislang an der Maßnahme fest, da der Sicherheitsgewinn die Unannehmlichkeiten überwiege. Für Unternehmen, die Fachkräfte nach Italien entsenden, lautet die Botschaft klar: Ankünfte außerhalb der Stoßzeiten 10:00–14:00 und 17:00–21:00 planen; Nicht-EU-Mitarbeiter auf längere Wartezeiten bei der ersten Einreise vorbereiten; und gegebenenfalls mit einem Remote-Start arbeiten, bis der biometrische Rückstau abgebaut ist. Reiseanbieter sollten die Regierungsmitteilungen im Auge behalten – das Innenministerium wird voraussichtlich bis zum 15. Juli mit einem Notfall-Personalplan reagieren.
Quelle: Italpress