
Belgiens Ministerin für Asyl und Migration, Anneleen Van Bossuyt, bestätigte am 17. Juli, dass sie weitere 700 Aufnahmeplätze für Asylsuchende in der Region Brüssel-Hauptstadt streichen wird – zusätzlich zu den bereits Ende Juni entfernten 300 Plätzen. Diese Entscheidung halbiert effektiv das sogenannte „Brussels Deal“ von 2022, eine Vereinbarung, bei der die Bundesregierung 2.000 Betten in von lokalen NGOs betriebenen Unterkünften finanziert, um das überlastete Fedasil-Netzwerk zu entlasten. Van Bossuyt argumentiert, dass die Wartelisten für alleinstehende Männer auf rund 1.000 gesunken seien, von denen die Hälfte bei Freunden oder Verwandten unterkomme, weshalb die volle Kapazität „eine unverantwortliche Verschwendung von Steuergeldern“ darstelle. Sie betont, dass bis Jahresende alle berechtigten Asylsuchenden im Bundesnetz untergebracht werden, sodass das Brüsseler Programm vollständig eingestellt werden kann. Kritiker werfen der Ministerin vor, mit Statistiken zu spielen: Brüssels Sozialminister Ahmed Laaouej (PS) und Finanzminister Dirk De Smedt (Anders) warnen, dass die Unterkünfte weiterhin voll seien und Hunderte von besonders schutzbedürftigen Menschen durch die zusätzlichen Kürzungen obdachlos werden könnten. Fachleute für Arbeitsmigration beobachten die Entwicklung genau, da Kapazitätskürzungen die Registrierung und Ausstellung von Ausweisen für Schutzsuchende verzögern können, die später in den Arbeitsmarkt eintreten. In Branchen wie Logistik, Lebensmittelverarbeitung und Pflege – die in Belgien derzeit alle unter Fachkräftemangel leiden – sind Arbeitgeber auf den rechtzeitigen Zugang zu anerkannten Flüchtlingen angewiesen. Ein längerer Engpass könnte mehr Geflüchtete in Nachbarländer treiben und Belgiens Attraktivität schwächen. Menschenrechtsorganisationen befürchten zudem negative Folgen für die öffentliche Ordnung und den städtischen Verkehr, da provisorische Zeltlager nahe dem Brüsseler Nordbahnhof in den Jahren 2024 und 2025 bereits Sicherheitsvorfälle und Belastungen für lokale Verkehrsknotenpunkte verursacht haben. Die Brüsseler Regionalregierung erwägt Notunterkünfte für den Winter und hat die Bundesregierung aufgefordert, vor weiteren Schritten zu konsultieren. Der Vorfall verdeutlicht die politische Spaltung innerhalb der belgischen Regierungskoalition in Fragen der Migrationspolitik. Während Van Bossuyts N-VA eine Kapazitätsbegrenzung als Abschreckung sieht, betrachten frankophone Parteien dies als Verletzung humanitärer Verpflichtungen. Beobachter erwarten, dass das Thema bei der Bundeshaushaltsdebatte im September wieder aufkommt, wobei Wirtschaftsverbände voraussichtlich für einen pragmatischen Kompromiss werben werden, der eine geordnete Aufnahme sicherstellt, ohne die Kosten explodieren zu lassen.
Quelle: The Brussels Times
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