
Der aktuelle Henley Passport Index, veröffentlicht am 27. Juli 2026, platziert Polen weltweit gemeinsam auf dem dritten Platz und ermöglicht polnischen Staatsbürgern visafreien oder Visa-on-Arrival-Zugang zu 192 Reisezielen. Der Aufstieg – von Platz fünf in der Januar-Ausgabe – katapultiert Polen vor traditionelle Schwergewichte wie die USA (7.) und Kanada (8.). Nur Singapur (195 Ziele) sowie das gleichauf liegende Duo Frankreich und Deutschland (193) liegen noch vor Polen. Für international tätige polnische Unternehmen ist das Ranking mehr als nur ein Prestigeindikator; es bedeutet direkt geringere Compliance-Kosten und mehr Flexibilität beim Entsenden von Mitarbeitern ins Ausland. Weniger Visa bedeuten kürzere Vorlaufzeiten für Projektstarts und Einsparungen bei Konsulatsgebühren. Das Reise-Management-Unternehmen CWT schätzt, dass jedes vermiedene Visum durchschnittlich 280 Euro an direkten Kosten und zwei Arbeitstage an Bearbeitungszeit spart. Die verbesserte Platzierung ist vor allem das Ergebnis eines im Mai unterzeichneten gegenseitigen Visaverzichts mit Vietnam sowie der einseitigen Entscheidung Paraguays im Juni, polnischen Touristen und Geschäftsreisenden eine visafreie Einreise von bis zu 90 Tagen zu gewähren. Zudem konnten auf EU-Ebene kürzlich vier karibische Staaten dazu bewegt werden, bestehende Ad-hoc-Visaverzichte in völkerrechtlich verbindliche Abkommen umzuwandeln, was deren Aufnahme in die Henley-Methodik ermöglicht. Einwanderungsrechtler warnen jedoch, dass ein starker Pass nicht alle bürokratischen Hürden beseitigt. Polnische Staatsangehörige, die in Märkten wie den USA oder Australien arbeiten wollen, benötigen weiterhin die entsprechende Arbeitserlaubnis, und Nachmeldepflichten nach der Einreise – wie die FRRO-Meldepflicht in Indien – bleiben bestehen. Arbeitgeber sollten zudem beachten, dass viele Länder frühere Überschreitungen der Schengen-Aufenthaltsdauer bei der Entscheidung über visafreie Einreisen berücksichtigen. Dennoch unterstreicht der aktuelle Index Polens stetigen Aufstieg in der globalen Mobilität der letzten zehn Jahre. 2016 lag der polnische Pass auf Platz 15 mit Zugang zu 161 Zielen; die heutige Zahl entspricht einem Zuwachs von 19 Prozent. Das Außenministerium wertete das Ergebnis als Beleg für erfolgreiche „Visa-Diplomatie“ und deutete laufende Gespräche mit Südafrika und Saudi-Arabien an – beides potenziell wegweisende Märkte für polnische Exporteure.
Quelle: Gazeta.pl / Next Business