
Ohne großes Aufsehen hat die Europäische Kommission am 23. Juli 2026 die offizielle ETIAS-Website aktualisiert und dabei das lange versprochene Versprechen entfernt, dass die neue Reisegenehmigung „im letzten Quartal 2026“ in Betrieb gehen würde. Der überarbeitete Text besagt nun lediglich, dass ETIAS „noch nicht in Betrieb“ ist und Brüssel das genaue Startdatum erst „mehrere Monate vor dem Start“ bekanntgeben wird. Für Polen, ein Schengen-Mitglied, das im vergangenen Jahr mehr als 49 Millionen ausländische Ankünfte verzeichnete, bringt diese Änderung neue Unsicherheiten für die Planung an Flughäfen und Landgrenzen mit sich. Fluggesellschaften wie LOT Polish Airlines und der staatliche Flughafenbetreiber PPL haben in automatisierte Zugangskontrollen und Passagieraufklärungskampagnen investiert, die auf das vierte Quartal 2026 ausgerichtet waren. Grenzschutzbeamte (SG) geben nun privat zu, dass Schulungspläne möglicherweise neu geschrieben werden müssen, falls das System erst 2027 eingeführt wird. Auch Mobilitätsmanager in Unternehmen zeigen sich besorgt. Viele multinationale Konzerne nutzen Warschau und Krakau als regionale Drehkreuze und hatten geplant, ETIAS-Gebühren und Vorreiseprüfungen in ihre Fürsorgepflichtprozesse zu integrieren. Eine weitere Verzögerung bedeutet, dass mindestens zwei Hauptgeschäftsreisezeiten (Herbstmessen und die Konferenzsaison im ersten Quartal) weiterhin unter dem bestehenden visafreien Regime laufen – verlängert aber auch die Unsicherheit bei Budgetplanung, Personalaufnahmezeiten und Datenschutzanforderungen. Reiseberater warnen, dass Verwirrung den Betrügern in die Hände spielt. Frontex hat bereits über 100 inoffizielle Websites identifiziert, die kostenpflichtige „Vorregistrierungen“ für ETIAS anbieten, obwohl Anträge noch nicht eingereicht werden können. Polnische Reisende werden daher dringend geraten, alle Drittanbieterdienste zu ignorieren, bis die EU ein endgültiges Startdatum bekanntgibt, und sich auf offizielle Kanäle wie europa.eu/etias oder gov.pl zu verlassen. In der Zwischenzeit richtet sich die Aufmerksamkeit auf das verwandte Ein- und Ausreisesystem (EES), das weiterhin gilt und bereits zu längeren Warteschlangen am Flughafen Warschau-Chopin sowie an den Landgrenzen zu Deutschland und Litauen führt. Bis ETIAS in Betrieb geht, werden die polnischen Behörden weiterhin auf die biometrische Registrierung im EES sowie die traditionellen Visaregeln zur Kontrolle von Kurzaufenthalten setzen.
Quelle: Majorca Daily Bulletin
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