
In einem seltenen Schritt zwischen zwei Schengen-Partnern hat das italienische Innenministerium am 31. Juli angekündigt, vorübergehend Kontrollen an den Luft- und Seegrenzen für Passagiere aus Spanien wieder einzuführen. Die Maßnahme, die um Mitternacht in Kraft tritt, reagiert auf den von Rom beschriebenen „plötzlichen und außergewöhnlichen Migrationsdruck an der südwestlichen Flanke der EU“. Während erste Entwürfe eine Kontrolle aller Reisenden vorsahen, stellte Vizepremier Matteo Salvini später klar, dass systematische Ausweis- und Visakontrollen nur für Nicht-EU-Bürger gelten. Fluggesellschaften auf den Strecken Spanien–Italien – darunter Iberia, Vueling, Ryanair und ITA Airways – müssen nun vor Abflug Advance Passenger Information (API) an die italienische Polizei übermitteln und mit Stichprobenkontrollen bei der Ankunft rechnen. Die Fährbetreiber Grimaldi Lines und GNV, die Barcelona und Valencia mit Genua und Civitavecchia verbinden, wurden angewiesen, Drittstaatsangehörigen ohne Nachweis eines legalen Aufenthalts im Schengen-Raum das Boarding zu verweigern. Die Maßnahme stützt sich auf die Artikel 25-28 des Schengener Grenzkodex, die es einem Mitgliedstaat erlauben, bei einer ernsthaften Bedrohung der öffentlichen Ordnung für bis zu 30 Tage wieder Grenzkontrollen einzuführen. Für Geschäftsreisende bedeutet dies längere Wartezeiten an Häfen und Flughäfen – die Fluggesellschaften empfehlen, mindestens zwei Stunden vor Kurzstreckenflügen anzureisen – sowie die Pflicht, Dokumente mitzuführen, die das Recht auf Bewegung im Schengen-Raum belegen (Aufenthaltskarte, EU-Mobilitätsdokument oder Mehrfacheinreisevisum). Mobility-Manager in Unternehmen sollten ihre Reisegenehmigungsprozesse anpassen, um Routen über Italien und Spanien zu kennzeichnen und sicherzustellen, dass Meldungen zu entsandten Mitarbeitern mögliche Zwischenstopps in Italien berücksichtigen. Die diplomatischen Folgen sind erheblich: Spaniens Außenminister José Manuel Albares zeigte sich „überrascht“ über Italiens einseitigen Schritt und forderte eine außerordentliche Sitzung des Rates für Justiz und Inneres. Brüssel nahm die Maßnahme bisher zur Kenntnis, erinnerte die Mitgliedstaaten jedoch daran, dass Kontrollen „verhältnismäßig und zeitlich begrenzt“ sein müssen. Sollten weitere Länder Italiens Beispiel folgen – Finnland und Schweden haben ähnliche Schritte angedeutet – könnte der Schengen-weite Geschäftsreiseverkehr in diesem Sommer deutlich langsamer werden.
Quelle: El País / Cadena SER
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