
Nur noch neun Tage, bis das neue Ein- und Ausreisesystem der EU verpflichtend wird – und der Flughafen Brüssel schlägt Alarm wegen stark zunehmender Wartezeiten für Passagiere aus Nicht-EU-Ländern. Laut Zahlen vom 31. März haben biometrische Vorabtests die Ankunftsschlangen bereits auf über drei Stunden verlängert und in einer einzigen Woche rund 600 verpasste Flüge verursacht. Das Problem ist laut Flughafenverantwortlichen zweigeteilt: Zum einen dauert jede Registrierung – bei der ein Gesichtsbild und vier Fingerabdrücke erfasst werden – 45 bis 50 Sekunden, deutlich länger als ein herkömmlicher Passstempel. Zum anderen haben nur 60 % der vom Anbieter gelieferten automatischen Terminals die Abnahmetests bestanden, sodass Beamte Reisende an manuelle Schalter weiterleiten müssen. Belgiens Innenminister Bernard Quintin hat deshalb 120 zusätzliche Bundespolizisten auf Zeit entsandt, während das Asyl- und Migrationsministerium unter Leitung von Anneleen Van Bossuyt die vollständige biometrische Erfassung für Anschlussreisende bis nach Ostern verschoben hat. Die Regierung verhandelt zudem mit der Europäischen Kommission über eine Ausnahmeregelung, die Flughäfen erlauben würde, die Fingerabdruckerfassung bei Spitzenbelastungen auszusetzen. Reiseveranstalter raten ihren Kunden, mindestens zwei Stunden mehr für die Abfertigung einzuplanen und längere Zwischenstopps in Brüssel zu buchen. Arbeitgeber mit Grenzgängern aus Großbritannien und der Schweiz sollten ihre Mitarbeiter daran erinnern, dass diese nach den neuen Regeln ebenfalls als Nicht-EU-Bürger gelten. Sollten die Warteschlangen bis zum 10. April nicht in den Griff bekommen werden, warnen Experten, könnte der Imageschaden dazu führen, dass Umsteigeverkehre zu Paris-Charles de Gaulle oder Amsterdam-Schiphol abwandern – Flughäfen, die ebenfalls mit Problemen kämpfen, aber über größere Personalressourcen verfügen. Mit 64.000 direkt und indirekt am Flughafen gebundenen Arbeitsplätzen steht viel auf dem Spiel für die belgische Wirtschaft.
Quelle: The Economic Times