
Nicht-EU-Fluggäste, die heute in Österreich landeten, erlebten erstmals eine vollständig digitale Grenzkontrolle, da das Land die Umstellung auf das Ein- und Ausreisesystem der Europäischen Union (EES) abgeschlossen hat. Innenminister Gerhard Karner bestätigte am Flughafen Wien-Schwechat, dass ab dem 10. April 2026 um 12:00 Uhr 100 Prozent der Ankünfte und Abflüge aus Drittstaaten nun über biometrische Kioske und e-Gates abgewickelt werden. Das System erfasst Fingerabdrücke, Gesichtsaufnahmen und Passdaten, berechnet automatisch die erlaubte Aufenthaltsdauer und erkennt Überziehungen oder gefälschte Dokumente. Der Flughafenbetreiber Flughafen Wien AG und das Innenministerium investierten 18 Monate in die Hardware-Aufrüstung und Mitarbeiterschulungen. Während der sechsmonatigen Pilotphase wurden über eine Million Testtransaktionen durchgeführt – allein in Wien 730.000 – wobei 96 Prozent der Passagiere in weniger als fünf Minuten abgefertigt wurden. Das Grenzpolizeipersonal wurde aufgestockt, und für die Sommerhochsaison sind Notfall-Spurkapazitäten eingerichtet. Für österreichische und andere EU-Bürger ändert sich nichts; sie können weiterhin die automatisierten Passkontrollspuren nutzen. Für Nicht-EU-Besucher entfällt jedoch der vertraute Passstempel. Ihre biometrischen Daten bleiben drei Jahre lang in der EU-weiten Datenbank gespeichert (fünf Jahre bei verweigertem Einlass) und bieten den Behörden ein wirksames Instrument zur Erkennung von Dokumentenfälschungen und Visamissbrauch. Geschäftsreisende wurden angewiesen, ihre Mitarbeiter darauf vorzubereiten, an österreichischen Flughäfen zehn Minuten mehr Zeit einzuplanen, bis die Reisenden mit den zusätzlichen Fingerabdruck- und Gesichtsscans vertraut sind. Fluggesellschaften befürchten Engpässe an Umsteigeknoten, doch der Flughafen Wien meldet, dass die durchschnittliche Abfertigungszeit im Pilotversuch nie mehr als 70 Sekunden pro Reisendem betrug. Die österreichische Einführung liegt zwei Tage vor der EU-Rechtsfrist und positioniert das Land laut Flughafenchef Günther Ofner als „Musterschüler“. Die Umstellung fügt sich zudem in den umfassenderen EU-Asylpakt ein, der ab Juni biometrische Kontrollen an den Außengrenzen verpflichtend macht.
Quelle: VOL.AT