
Zivilgesellschaftliche Gruppen in Prag haben am Montag den kürzlich vom Kabinett verabschiedeten Entwurf des Ausländergesetzes genau unter die Lupe genommen und kommen zu dem Schluss, dass dieser das Leben tschechischer Staatsbürger, die mit Nicht-EU-Bürgern verheiratet sind oder anderweitig verwandt, erheblich erschweren könnte. Nach dem Vorschlag, der im März vom Kabinett gebilligt wurde und nun zur parlamentarischen Debatte zirkuliert, müssten Nicht-EU-Ehepartner und Verwandte tschechischer Staatsbürger höhere Mindesteinkommen nachweisen und mehr Dokumente vorlegen als die Familienangehörigen anderer EU-Bürger, die in Tschechien leben. Migrantenrechtsorganisationen kritisieren diese ungleiche Behandlung als Verstoß gegen die EU-Freizügigkeitsprinzipien und warnen, dass dies in der Praxis zur Trennung von Familien führen könnte, wenn ein tschechischer Staatsbürger nach Jahren im Ausland mit einem Partner aus einem Drittstaat zurückkehrt. Zudem sorgen sich Befürworter über neue Regelungen, die es den Einwanderungsbehörden erlauben würden, Aufenthaltsgenehmigungen bereits bei vergleichsweise geringfügigen Verstößen – etwa verspäteter Steuererklärungen – zu widerrufen, wobei den Familien nur eine kurze Frist für Einsprüche bliebe, bevor eine Abschiebung droht. Kritiker befürchten, dass der Entwurf, der bei unveränderter Verabschiedung am 1. Januar 2029 in Kraft treten soll, „Zweitklassige tschechische Staatsbürger“ schaffen könnte, deren Recht, mit ihren Angehörigen im eigenen Land zu leben, eingeschränkt wird. Fachanwälte für Einwanderungsrecht weisen darauf hin, dass die Unsicherheit hochqualifizierte ausländische Fachkräfte davon abhalten könnte, langfristige Einsätze in Tschechien anzunehmen, wenn der Status ihrer Partner nicht gesichert ist. Unternehmen haben bereits begonnen, Mobilitätsberater zu beauftragen, um Notfallpläne zu entwickeln, darunter auch Remote-Arbeitsmodelle oder die Verlegung von Mitarbeitern in Nachbarländer der EU mit günstigeren Familiennachzugsregelungen. Es wird erwartet, dass die Abgeordneten im späten Frühjahr detaillierte Ausschusssitzungen eröffnen, die den Beteiligten eine letzte Chance bieten, Änderungen durchzusetzen, die die Rechte aller EU-Bürger und ihrer Familien in Tschechien angleichen würden.
Quelle: Expats.cz