
Am 27. April um 04:30 Uhr begann der Nationalrat eine vier Tage dauernde Sondersitzung, in der erstmals eine Plenardebatte zur sogenannten „Demokratie-Initiative“ stattfand. Die von der zivilgesellschaftlichen Allianz Aktion Vierviertel eingebrachte Vorlage sieht vor, die Zuständigkeit für Einbürgerungen von den Kantonen auf die Bundesebene zu verlagern und ausländischen Bewohnern nach fünf Jahren rechtmäßigem Aufenthalt ein Recht auf die Schweizer Staatsbürgerschaft zu garantieren – unabhängig von der Art der Aufenthaltsbewilligung. Derzeit ist das Einbürgerungsverfahren in der Schweiz eines der am stärksten zersplitterten Europas. Die Gemeinden legen eigene Sprachvoraussetzungen, Integrationskriterien und Gebühren fest, was zu Bearbeitungszeiten von über drei Jahren führen kann. Personalverantwortliche beklagen, dass dieses Flickwerk erfahrene Expats davon abhält, sich langfristig niederzulassen, das Compliance-Risiko bei Kantonswechseln erhöht und die Nachfolgeplanung erschwert. Bundesrat und die Mehrheit des parlamentarischen Ausschusses empfehlen, die Initiative ohne Gegenvorschlag abzulehnen, da ein einheitliches Bundesverfahren die Traditionen der direkten Demokratie untergraben und die Verwaltung überlasten würde. Befürworter argumentieren hingegen, dass klarere und schnellere Regeln die Schweiz für globale Talente attraktiver machen und die demokratische Legitimität durch eine breitere Wählerschaft stärken würden. In der Eröffnungsdebatte schlugen mehrere zentristische Abgeordnete einen Kompromiss vor, der kommunale Abstimmungen beibehält, aber Gebühren begrenzt und eine gesetzliche Entscheidungsfrist von zwölf Monaten festlegt. Beobachter erwarten eine Abstimmung im Nationalrat am 30. April. Sollte die Initiative angenommen werden, müssten multinationale Unternehmen ihre Zeitpläne für Mitarbeiterverlegungen anpassen und mit einem höheren Antragsaufkommen rechnen, sobald der fünfjährige Einbürgerungsweg geöffnet ist. Mobility-Teams in Unternehmen raten Schlüsselpersonen bereits jetzt, dass die Einbürgerung bis zu einer Reform weiterhin zehn Jahre dauert und eine enge Abstimmung mit den lokalen Behörden bezüglich Sprachzertifikaten und Steuerbescheinigungen erfordert.
Quelle: SWI Swissinfo