
Aktuelle Bevölkerungsprognosen vom 28. April zeigen, dass die Schweiz dem europäischen Trend des demografischen Rückgangs weiterhin trotzt. In einer ausführlichen Analyse hebt Swissinfo hervor, dass das Bevölkerungswachstum vor allem durch Nettozuwanderung – und nicht durch die rekordtiefen Geburtenzahlen – angetrieben wird. Dadurch liegt das Durchschnittsalter fast fünf Jahre unter dem der EU-27. Der Bericht betont, dass über 41 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Schweizer Krankenhäusern im Ausland ausgebildet wurden, während Branchen von IT bis Gastgewerbe einen zweistelligen Anteil ihrer offenen Stellen mit EU-Bürgern besetzen. Ökonomen warnen, dass ohne diesen Zuzug das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen innerhalb eines Jahrzehnts von heute 34 auf 45 Prozent steigen würde, was die Finanzierung der Renten stark belasten würde. Die öffentliche Stimmung bleibt jedoch zwiegespalten. Anstehende Abstimmungen über die SVP-Initiative zur Bevölkerungsobergrenze und über ein neues Asylaufnahmezentrum zeigen deutliche Gräben zwischen Stadt und Land. Arbeitgeber befürchten, dass politische Gegenwinde die Bearbeitung von Arbeitsbewilligungen erschweren und den Ruf der Schweiz als Europas stabilsten Talentstandort gefährden könnten. Für Mobility-Manager in Unternehmen ist die wichtigste Erkenntnis, sowohl demografische Daten als auch Abstimmungstermine genau im Blick zu behalten. Szenarien zur Personalplanung sollten modellierte Engpässe bei Schlüsselpositionen, alternative Rekrutierung außerhalb der EU sowie verbesserte Bindungsangebote für EU-Entsandte berücksichtigen, die bei verschärftem Zugang einen Umzug überdenken könnten. Zudem weist der Artikel darauf hin, dass mehrere Kantone mit „Bindungsprämien“ für ausländische Medizinstudierende experimentieren, die sich verpflichten, nach der Ausbildung fünf Jahre zu bleiben – ein Anreiz, den HR-Teams mit unternehmensseitiger Umzugsunterstützung verknüpfen könnten.
Quelle: SWI Swissinfo