
Bei seiner Ankunft auf dem Ministertreffen in Nikosia äußerte sich der zyprische Migrationsminister Nicholas Ioannides realistisch: „Der heutige Inkrafttreten ist nicht das Ziel, sondern der Startschuss. Wir werden mindestens zwölf Monate brauchen, bis alles reibungslos funktioniert.“ Ioannides verwies auf unvollständige Gesetzgebungen in mehreren Mitgliedstaaten, Personalengpässe an den Außengrenzen und ungetestete IT-Schnittstellen wie Eurodac und das Ein- und Ausreisesystem. Er appellierte an die Hauptstädte, bei anfänglichen Problemen keine Schuldzuweisungen zu betreiben: „Die Umsetzung wird darüber entscheiden, ob der Pakt Erfolg hat oder scheitert – konzentrieren wir uns auf Lösungen.“ Die von der niederländischen Nachrichtenagentur ANP verbreiteten Aussagen treffen den Nerv zyprischer Arbeitgeber, die befürchten, dass anhaltende Unsicherheiten die Einstellung ausländischer Fachkräfte und die Verwaltung entsandter Arbeitnehmer in der EU erschweren könnten. Unternehmen sollten daher die Jahre 2026 bis 2027 als Übergangsphase betrachten. In dieser Zeit könnten sich nationale Verfahren mehrfach ändern, wenn Parlamente EU-Richtlinien umsetzen, Grenzbehörden ihre Handbücher anpassen und Gerichte erste Urteile zu den beschleunigten Fristen fällen. Personalabteilungen wird empfohlen, jeden Schritt der ersten Anträge nach den neuen Regeln genau zu dokumentieren, um bei späteren Prüfungen die Einhaltung nachweisen zu können. Zypern selbst hat bereits sein Flüchtlingsgesetz aktualisiert und in neue biometrische Erfassungsstationen an den Häfen investiert. Dennoch räumte Ioannides ein, dass die Schulung des Personals bis ins erste Quartal 2027 andauern wird, und schlug vor, dass die Kommission zusätzliche Mittel für kleinere Mitgliedstaaten bereitstellt, die unter unverhältnismäßigem Migrationsdruck stehen.