
Bei der Ministerkonferenz in Nikosia, die den EU-Migrationspakt einläutete, schlug Zyperns stellvertretender Migrationsminister Nicholas Ioannides einen pragmatischen Ton an: „Heute ist nicht das Ziel, sondern der Startschuss“, sagte er gegenüber Journalisten. Laut Ioannides werden die Mitgliedstaaten „mindestens zwölf Monate“ benötigen, bis das komplexe Netz aus neuen Screening-Zentren, beschleunigten Grenzverfahren und Solidaritätsmechanismen vollständig funktionsfähig ist. Als Haupthemmnisse nannte er unvollständige nationale Gesetzgebungen in mehreren Hauptstädten sowie laufende IT-Updates für Eurodac – die biometrische Datenbank der EU. Zypern selbst habe zwar alle rechtlichen Umsetzungen abgeschlossen, müsse aber noch 150 zusätzliche Asylfallbearbeiter einstellen und das Aufnahmezentrum Pournara erweitern, um die neuen Abläufe bewältigen zu können. Um den unmittelbaren Druck zu mindern, unterzeichneten Nikosia und Vilnius am 12. Juni ein Memorandum of Understanding, das vorsieht, dass bis zu 250 anerkannte Flüchtlinge freiwillig von Zypern nach Litauen umgesiedelt werden – und zwar innerhalb der nächsten 18 Monate. Das Pilotprogramm, finanziert aus dem EU-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, priorisiert Familien mit schulpflichtigen Kindern und soll Kapazitäten in Zypern für neue Ankünfte freimachen. Für Teams im Bereich globale Mobilität schafft der Zeitplan Zyperns Klarheit: Unternehmen können bis Mitte 2027 mit einer Übergangsphase rechnen, in der Behörden bei fehlenden Dokumenten oder Ausfällen der IT-Systeme noch Ermessensspielraum haben. Dennoch sollten Firmen ihre Mitarbeiterinformationen aktualisieren, um die künftig verpflichtenden Gesundheits- und Sicherheitschecks vor der Einreise abzubilden. Ioannides’ Einschätzung entspricht der Stimmung in der Privatwirtschaft. Der zyprische Arbeitgeberverband OEB begrüßte den Zwölf-Monats-Zeitraum, da er den Unternehmen Zeit gibt, ihre HR-Prozesse anzupassen. Migrationsanwälte warnen jedoch, dass anhaltende Personalengpässe weiterhin zu längeren Wartezeiten bei der Erteilung von Arbeitserlaubnissen führen könnten, selbst wenn die Asylverfahren beschleunigt werden.