
Nur wenige Stunden nachdem sich die EU-Staats- und Regierungschefs in Nikosia versammelt hatten, um den Migrations- und Asylpakt zu feiern, kam es zu einem technischen Ausfall bei Eurodac – der zentralen biometrischen Datenbank, die das neue Screening-System der EU stützt. Die niederländischen Einwanderungsbehörden bestätigten am Mittag des 12. Juni, dass ein Software-Update die Datenverbindungen beschädigt hatte, sodass mehrere Mitgliedstaaten keine Fingerabdrücke und Gesichtsbilder hochladen konnten. Der Ausfall ist für Zypern besonders unangenehm, da das Land den Rat leitet und „glaubwürdige Grenzen“ zu einem zentralen Thema seiner Präsidentschaft gemacht hat. EU-Sprecher Marcus Lammert versuchte, die Störung herunterzuspielen, indem er sagte, „Anlaufschwierigkeiten am ersten Tag seien normal“. Dennoch berichteten Grenzbeamte am Flughafen Larnaka lokalen Medien, dass manuelle Verfahren bereits zu Verzögerungen von bis zu 30 Minuten pro Nachkontrolle führten. Der zyprische Asyldienst reaktivierte als Übergangslösung alte nationale Systeme und wies Fluggesellschaften an, Reisende ohne Bestätigung der biometrischen Erfassung vorerst nicht an Bord gehen zu lassen. Für Unternehmen, die diesen Sommer nicht-EU-Mitarbeiter nach Zypern entsenden, ist der Vorfall eine Mahnung, mehr Vorlaufzeit einzuplanen und sicherzustellen, dass Reisende alle erforderlichen Unterlagen (Arbeitsverträge, Krankenversicherung, Unterkunftsnachweise) in Papierform mitführen, da elektronische Prüfungen verzögert sein können. Mobilitätsanbieter sollten sich zudem auf mögliche Folgewirkungen einstellen, falls Mitgliedstaaten die während des Ausfalls erfassten Daten später erneut erfassen müssen. Techniker der Kommission rechnen mit einer teilweisen Wiederherstellung innerhalb von 24 Stunden, doch Experten warnen, dass die eigentliche Belastungsprobe im Juli und August mit dem Tourismushöhepunkt bevorsteht. Sollten die Zuverlässigkeitsprobleme anhalten, könnte Zypern in Brüssel eine gestaffelte Übergangsphase fordern, um seinen wichtigen Gastgewerbesektor zu schützen, der etwa 15 % des BIP ausmacht.
Quelle: Reuters