
Die Schweiz stimmt morgen, am 14. Juni 2026, darüber ab, ob die Verfassung geändert werden soll, um zu verhindern, dass die ständige Wohnbevölkerung vor 2050 die Marke von 10 Millionen überschreitet. Die sogenannte „Nein zu einer Schweiz mit 10 Millionen!“ Initiative, angeführt von der rechtsgerichteten Schweizerischen Volkspartei (SVP), ist zum Brennpunkt für Debatten über Einwanderung, Arbeitskräftemangel und Infrastrukturbelastung geworden. Befürworter argumentieren, dass die ungebremste Zuwanderung Wohnungsnot, Verkehrsstaus und Druck auf öffentliche Dienstleistungen verschärft. Sie verweisen auf eine Leerstandsquote, die 2025 auf 1 % gesunken ist, und betonen, dass die Landesfläche der Schweiz seit 1848 unverändert geblieben ist. Gegner – darunter der Bundesrat, der Wirtschaftsverband economiesuisse und grosse Gewerkschaften – warnen, dass eine Bevölkerungsobergrenze die Schweiz zwingen könnte, das Freizügigkeitsabkommen mit der EU aufzugeben, was den Marktzugang gefährden und die chronischen Fachkräftelücken im Gesundheitswesen und Gastgewerbe vertiefen würde. Die Umfragen sind enger geworden: Eine SRG-SSR-Umfrage vom 3. Juni zeigte 52 % Ablehnung und 45 % Zustimmung, doch unentschlossene Wähler könnten die für das Zustandekommen der „doppelten Mehrheit“ von Kantonen und Volksabstimmung entscheidende Rolle spielen. Arbeitgeber sind nervös. Hoteliers in Zürich berichten, dass die Hälfte ihrer Mitarbeitenden aus dem Ausland stammt, während die Schweizerische Ärztegesellschaft festhält, dass 2025 43 % der Ärztinnen und Ärzte im Ausland ausgebildet wurden – Talente, die bei einer Verschärfung der Einwanderungsgrenzen knapp werden könnten. Sollte die Initiative angenommen werden, müssen die Behörden handeln, sobald die Bevölkerung 9,5 Millionen erreicht, vor allem durch Einschränkungen bei Asyl-, Familiennachzugs- und Aufenthaltsbewilligungen. Überschreitet die Zahl dennoch 10 Millionen, müsste die Schweiz Abkommen, die Zuwanderung fördern – möglicherweise auch das Freizügigkeitsabkommen mit der EU – neu verhandeln oder aufgeben. Mobilitätsteams in Unternehmen sollten Notfallpläne vorbereiten: strengere Quotenregelungen, schnellere Lokalisierung von Schlüsselpersonal und erweiterte Möglichkeiten für Remote-Arbeit könnten notwendig werden, falls die Einwanderungshebel angezogen werden.
Quelle: ABC News