
Das Eidgenössische Finanzdepartement gab am 18. Juni bekannt, dass Finanzministerin Karin Keller-Sutter Ende des Monats in Rom ihren italienischen Amtskollegen Giancarlo Giorgetti treffen wird, um die Umsetzung des Grenzgängerabkommens von 2020 zu überprüfen. Das Abkommen, das das Steuerregime von 1974 modernisierte, sieht für rund 90.000 Pendler aus der Lombardei und dem Piemont eine schrittweise Verlagerung der Besteuerung von der Quellensteuer in der Schweiz zur Wohnsitzbesteuerung in Italien vor. Vier Jahre später beklagen Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze weiterhin komplexe Lohnabrechnungen, Probleme mit doppelten Quellensteuern und Verzögerungen bei der Anrechnung italienischer Einkommenssteuerabzüge. Die kantonalen Behörden in Tessin und Graubünden warnen zudem, dass unterschiedliche Berechnungen der Sozialversicherungsbeiträge die Rekrutierung von Fachkräften für MedTech- und Rechenzentrumsprojekte erschweren. Unterlagen, die von Wirtschaftsverbänden eingesehen wurden, zeigen, dass Bern einen gemeinsamen elektronischen Wohnsitznachweis und ein zentrales Portal zur Vorabklärung der Steuernummern vor Arbeitsbeginn vorschlagen wird – was die Einarbeitungszeit von sechs Wochen auf zehn Tage verkürzen soll. Italien wird voraussichtlich Klarheit über die bevorstehende Reform der Steuerfreibeträge für Auslandschweizer verlangen, da Wettbewerbsverzerrungen befürchtet werden. Die Minister werden zudem anhaltende Streitigkeiten zum Thema Telearbeit erörtern: Während der Pandemie hatten beide Länder eine vorübergehende Regelung getroffen, die bis zu 40 % Homeoffice ohne Steueränderung erlaubte. Viele multinationale Unternehmen wünschen sich eine dauerhafte Regelung, um Talente für hybride Arbeitsmodelle zu gewinnen, doch Rom besteht auf strengere Kontrollen. Eine Fortschrittsmitteilung wird bis Mitte Juli erwartet. Mobilitätsexperten sollten Szenarioanalysen vorbereiten: Jede Bewegung hin zu digitalem Echtzeit-Datenaustausch bei der Lohnabrechnung könnte Systemanpassungen erfordern, während ein Scheitern der Einigung Italien dazu veranlassen könnte, Nachforderungen von Steuern bei Arbeitgebern geltend zu machen.
Quelle: Federal Council press release