
Am 23. Juni fand in Brüssel ein zuvor nicht angekündigtes Treffen zwischen Vertretern der Europäischen Kommission und einer fünfköpfigen Taliban-Delegation statt, um über die Rückführung von Afghanen mit endgültigen Abschiebebescheiden zu verhandeln. Spanische NGO-Netzwerke und Anwälte für Migrantenrechte kritisierten die Initiative sofort und befürchten, dass dies den Weg für Zwangsrückführungen aus Spanien ebnen könnte, sobald die im EU-Migrationspakt vorgesehenen bilateralen „Rückkehrplattformen“ in Betrieb genommen werden. Spanien beherbergt derzeit schätzungsweise 6.500 afghanische Staatsangehörige unter vorübergehendem Schutz. Quellen im Innenministerium erklärten gegenüber El Diario, dass Madrid die rechtliche Umsetzbarkeit künftiger Rückführungen nur für Personen prüfen werde, die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden. Aktivisten erinnern jedoch daran, dass sich ähnliche Kriterien in anderen Abkommen im Laufe der Zeit ausgeweitet haben. Die afghanische Botschaft in Madrid bleibt geschlossen, was die Ausstellung von Reisedokumenten erschwert – ein Grund, warum Abschiebungen seit der Machtübernahme der Taliban 2021 faktisch ausgesetzt sind. Personalverantwortliche in Unternehmen sollten beachten, dass Statusüberprüfungen für Mitarbeiter mit spanischen humanitären Visa beschleunigt werden könnten, falls die Gespräche auf EU-Ebene voranschreiten. Firmen, die afghanische Fachkräfte über das Hochqualifizierten-Visum sponsern, könnten langfristige Aufenthalts- oder Staatsbürgerschaftsoptionen prüfen, um Schlüsselpersonal vor politischen Änderungen zu schützen. Das Treffen entfachte auch erneut eine Debatte im spanischen Parlament, wo die Regierungskoalition ein umfassendes Legalisierungsgesetz vorantreibt, von dem bis zu 500.000 undokumentierte Migranten profitieren sollen. Oppositionsparteien argumentierten, dass Verhandlungen mit den Taliban Spaniens humanitäre Haltung untergraben. Das Außenministerium entgegnete, die Gespräche seien „technisch, nicht politisch“ und betonte, dass Spanien bei Abschiebungen weiterhin eigenständig entscheide. EU-Beamte nannten keinen Zeitplan für eine Folgesitzung, doch geleakte Entwürfe, die dem in Brüssel ansässigen Thinktank EPC vorliegen, deuten darauf hin, dass die EU bis Mitte 2027 Rückkehrabkommen mit bis zu 15 Herkunftsländern anstrebt – unter Einsatz von Entwicklungshilfe und Visum-Druckmitteln, die letztlich auch die Ausstellung von Schengen-Visa und Bearbeitungszeiten bei spanischen Konsulaten beeinflussen könnten.
Quelle: elDiario.es
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