
In einem Fernsehinterview und einer anschließenden Pressekonferenz am 22. Juni warf Alberto Núñez Feijóo, Vorsitzender der Partido Popular (PP), der sozialistischen Regierung Spaniens vor, das sogenannte „Ley de Nietos“ in eine „Passfabrik“ für Millionen Nachkommen spanischer Auswanderer verwandelt zu haben. Feijóo behauptet, dass eine Anweisung des Justizministeriums die Anspruchsvoraussetzungen weit über die ursprüngliche Wiedergutmachungsabsicht des im Jahr 2022 verabschiedeten Erinnerungsgesetzes hinaus ausgeweitet habe. Dies habe zu 2,5 Millionen Anträgen und bisher über 545.000 Bewilligungen geführt. Das Gesetz ermöglicht es im Ausland geborenen Kindern und Enkeln von Spaniern, die Staatsbürgerschaft ohne vorherigen Wohnsitz zu erhalten. Konsulate in Argentinien, Mexiko und Uruguay berichten von monatelangen Wartezeiten für Termine, und das Außenministerium hat Personal umgeschichtet, um die Nachfrage zu bewältigen. Die PP argumentiert, dass die beschleunigte Einbürgerung die Auslandswählerliste aufbläht – traditionell zugunsten der regierenden PSOE – und die Parlamentswahl 2027 beeinflussen könnte. Regierungskreise entgegnen, dass der Prozess lediglich historische Ungerechtigkeiten korrigiere und die neuen Staatsbürger wirtschaftlich und kulturell beitrügen. Aus globaler Mobilitätsperspektive hat die Debatte praktische Folgen: Die spanische Staatsbürgerschaft gewährt volle Freizügigkeit in der EU, was den Pass für lateinamerikanische Fachkräfte, die bereits remote für europäische Unternehmen arbeiten, besonders attraktiv macht. Unternehmen könnten einen Anstieg von Mitarbeitern verzeichnen, die die spanische Staatsbürgerschaft erwerben, um innergemeinschaftliche Einsätze zu erleichtern, während konsularische Engpässe andere Visakategorien verzögern könnten, da Personal umgeleitet wird. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Dokumentationsanforderungen hoch bleiben – beglaubigte Geburtsurkunden und Führungszeugnisse sind Pflicht – und dass Antragsteller die Staatsbürgerschaft innerhalb eines Jahres nach Bewilligung beim spanischen Standesamt formell anerkennen müssen. Personalabteilungen mit großem lateinamerikanischem Talentpool sollten die Entwicklungen genau beobachten: Sollte der politische Druck zu strengeren Regeln führen, könnten laufende Anträge vor neuen Hürden stehen.
Quelle: Moncloa.com