
Das belgische Außenministerium bestätigte am 22. Juni spätabends, dass es einer Taliban-Delegation, die von der Europäischen Kommission zu technischen Gesprächen über die Rückführung afghanischer Staatsangehöriger eingeladen wurde, fünf ein-tägige Schengen-Visa mit Gültigkeit ausschließlich für Belgien ausgestellt hat. Das Treffen fand am 23. Juni in Brüssel statt, begleitet von Protesten von Menschenrechtsorganisationen und 47 Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Im Rahmen der belgischen „Hauptstadtpolitik“ erleichtert das Land routinemäßig kurzfristige Visa für Delegationen, die von EU-Institutionen eingeladen werden. Außenminister Maxime Prévot betonte, dass die Sicherheitsbehörden keine unmittelbare Bedrohung durch die Delegierten festgestellt hätten und dass eine Verweigerung der Visa den Status Brüssels als diplomatische Hauptstadt der EU gefährden könnte. Die Visa waren 24 Stunden gültig und beschränkten die Inhaber auf belgisches Hoheitsgebiet, wodurch eine Weiterreise innerhalb des Schengen-Raums ausgeschlossen war. An den Gesprächen, an denen Vertreter von 15 Mitgliedstaaten teilnahmen, ging es um die Identifizierung und Ausstellung von Reisedokumenten für undokumentierte Afghanen sowie die Koordinierung von Charterflügen für Abschiebungen. Der Direktor des belgischen Einwanderungsamts, Freddy Roosemont, nahm teil, nachdem er im Januar an einer technischen Mission in Kabul beteiligt war. NGOs wie Amnesty International verurteilten die Kontakte scharf und argumentierten, dass Afghanistan weiterhin unsicher sei und Zwangsrückführungen gegen internationales Recht verstießen. Die Grünen-Europaabgeordnete Saskia Bricmont bezeichnete den Schritt als „großes moralisches Versagen“ und warnte vor einem Präzedenzfall für Abkommen mit anderen autoritären Regimen. Für Arbeitgeber ist dieser Vorfall eine Erinnerung daran, dass afghanische Staatsangehörige in Belgien mit negativen Asylbescheiden mit beschleunigten Rückführungsverfahren rechnen müssen, sobald die EU-Rückkehr- und Wiedereingliederungsprotokolle abgeschlossen sind. Unternehmen, die afghanische Fachkräfte beschäftigen, sollten die Gültigkeit der Aufenthaltstitel prüfen und alternative Einwanderungswege wie Facharbeiter- oder Studienvisa in Betracht ziehen.
Quelle: The Brussels Times
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