
Mit den Schulferien vor der Tür warnen österreichische Reisebüros ihre Kunden vor langen Warteschlangen an wichtigen EU-Drehkreuzen, nachdem das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) diese Woche in Paris und Lissabon erste ernsthafte Ausfälle verzeichnet hat. Das biometrische System, das Fingerabdrücke und Gesichtsaufnahmen aller Nicht-EU-Reisenden erfasst, ist seit dem 15. Juni in Betrieb. Während der Flughafen Wien dank monatelanger Tests den Start reibungslos bewältigte, kämpfen Partnerflughäfen, an denen Österreicher häufig umsteigen, mit Problemen. Der Branchenverband ÖRV berichtete der Zeitung eXXpress, dass einige österreichische Familien Anschlussflüge verpassten, nachdem Terminals eingefroren waren und das Personal auf manuelle Verarbeitung umstellen musste, wodurch die versprochenen 70 Sekunden pro Passagier auf über 20 Minuten anstiegen. Rom-Fiumicino und Madrid-Barajas haben bei Brüssel um Erlaubnis gebeten, während der Stoßzeiten die vollständige Erfassung auszusetzen; EU-Vorschriften erlauben einen vorübergehenden „Light-Touch“-Modus, wenn Wartezeiten den Betrieb gefährden. Fluggesellschaften schlagen Alarm. Austrian Airlines rät Premiumkunden, bei Flügen mit einem Nicht-Schengen-Abschnitt mindestens drei Stunden Umsteigezeit einzuplanen. Die Billigfluglinie Wizz Air hat bereits die Drehzeiten auf den Strecken Wien–London angepasst und verweist auf „anhaltende Verzögerungen durch die Grenzautomatisierung“. Geschäftsreisemanager aktualisieren ihre Duty-of-Care-Richtlinien und empfehlen Expatriates, die von Dienstreisen zurückkehren, Pässe und Fingerabdrücke rechtzeitig vor dem Boarding zu scannen. Langfristig verspricht die Technologie schnellere und sicherere Grenzen. Einmal registriert, können Reisende theoretisch automatisierte Gates im gesamten Schengen-Raum, inklusive Österreich, in Sekundenschnelle passieren. Das unmittelbare Risiko liegt jedoch im Image: Ein chaotischer erster Sommer könnte das Vertrauen der Öffentlichkeit nur wenige Monate vor dem Start des Schwesterprojekts ETIAS, dem elektronischen Reisegenehmigungssystem, erschüttern. Mobilitätsteams sollten die Echtzeit-Dashboards der Flughäfen im Blick behalten, großzügigere Zeitpuffer in Reisepläne einbauen und Mitarbeiter ermutigen, die Umbuchungs-Apps der Airlines vor Abflug herunterzuladen.
Quelle: eXXpress