
Ein am 30. Juni veröffentlichter Bericht des Warschauer Think-Tanks Instytut Krytyki Politycznej warnt davor, dass negative Einstellungen gegenüber Ukrainern zunehmend von den sozialen Medien in den Alltag übergehen. Basierend auf 25 halbstrukturierten Interviews dokumentiert die Studie verbale Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr, Vermieter, die sich weigern, an Ukrainer zu vermieten, sowie abfällige Bemerkungen von Ärzten während Konsultationen. Die Forscher sehen den Präsidentschaftswahlkampf 2025 in Polen als Wendepunkt, an dem anti-ukrainische Rhetorik in den Mainstream-Diskurs einging. Obwohl die allgemeine öffentliche Unterstützung für die Ukraine weiterhin hoch ist, zeigen Umfragen einen allmählichen Rückgang, da Sorgen um die Lebenshaltungskosten und der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zunehmen. Für globale Mobilitätsprogramme unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von Fürsorgemaßnahmen, die über reine Formalitäten hinausgehen. Arbeitgeber mit großen ukrainischen Belegschaften sollten Anti-Belästigungs-Schulungen, vertrauliche Meldekanäle und inklusive Sprachrichtlinien in Betracht ziehen. Personalabteilungen müssen möglicherweise auch Wohnungszuschüsse neu bewerten, wenn Expats Schwierigkeiten haben, eine Unterkunft zu finden. Der Bericht empfiehlt lokalen Behörden, Aufklärungskampagnen ähnlich dem Warschauer Projekt „Nachbarschaftsdialog 2024“ zu starten und Unternehmen, Null-Toleranz-Charta gegen Fremdenfeindlichkeit zu verabschieden. Da Ukrainer die größte nicht-EU-Talentegruppe in Polen stellen, ist es entscheidend, ein integrationsfreundliches Umfeld zu erhalten – insbesondere für Branchen wie IT, Bauwesen und Shared-Service-Center.
Quelle: Anadolu Agency