
Das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) Europas ist erst seit drei Monaten in Betrieb, doch die Fluggesellschaften stecken bereits im Krisenmodus. Ryanair warnte gestern eindringlich vor „Passkontroll-Chaos“ an mehreren Mittelmeer-Drehkreuzen, da Nicht-EU-Reisende – darunter Millionen aus Irland und Großbritannien – bei der ersten Einreise in den Schengen-Raum Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto hinterlegen müssen. Die Airline nannte Flughäfen wie Teneriffa Süd, Palma de Mallorca, Alicante, Málaga, Mailand Bergamo, Krakau und Paris Beauvais, an denen es bereits zu erheblichen Verzögerungen kommt. Laut The Guardian fordern Airlines for Europe und der Airports Council International ein Dringlichkeitstreffen mit der Europäischen Kommission in der kommenden Woche. Sie drängen darauf, das EES für die Hauptreisezeit Juli–August auszusetzen oder sogar bis Sommer 2027 zu verschieben. Nach den aktuellen Regeln dürfen Mitgliedstaaten das System vorübergehend aussetzen, wenn die Warteschlangen unkontrollierbar werden, doch ab September ist die vollständige Einhaltung verpflichtend. Irland und Zypern sind die einzigen EU-Länder, die nicht teilnehmen, da sie außerhalb des Schengen-Raums liegen – dennoch trifft es irische Urlauber besonders hart, wenn sie auf dem Kontinent landen. Praktisch rät Ryanair Reisenden zwischen Schengen- und Nicht-Schengen-Zielen, früher als üblich am Flughafen zu sein und damit zu rechnen, dass Fingerabdrücke mehrfach genommen werden müssen, falls die Automaten die Abdrücke nicht korrekt erfassen. Die Reiseplattform Extra.ie weist darauf hin, dass Streiks in Italien (5. und 21. Juli) sowie der anhaltende Streit um die französische Flugsicherung die Störungen gerade zum Schulferienbeginn verschärfen könnten. Geschäftsreisende planen bereits Umleitungen über weniger frequentierte Flughäfen oder legen Übernachtungen vor Kundenterminen ein. Unternehmen, die auf Just-in-Time-Lieferungen angewiesen sind, warnen vor Kettenreaktionen durch verpasste Anschlussflüge. Versicherungsmakler berichten von einem Anstieg bei Anfragen zu Policen, die verpasste Anschlussflüge und Übernachtungskosten abdecken. Bis Brüssel Klarheit schafft, ist die sicherste Strategie für irische Reisende, jeden Schengen-Eingang als potenzielle Engstelle zu betrachten: wo möglich vorregistrieren, Bordkarten griffbereit halten und großzügige Umsteigezeiten einplanen. Für Unternehmen hat die Überprüfung der Fürsorgepflicht, besonders für unerfahrene Reisende, jetzt oberste Priorität im Juli.
Quelle: The Guardian / Extra.ie