
Flughäfen in ganz Europa – darunter Wien, Salzburg und Innsbruck – standen diesen Frühling vor großen Herausforderungen bei der vollständigen Einführung des Entry/Exit-Systems (EES). Das seit April aktive biometrische Registrierungssystem erfasst Fingerabdrücke und Fotos von Nicht-EU-Reisenden, führte jedoch an einigen Drehkreuzen zu Wartezeiten von bis zu fünf Stunden. In einem Artikel vom 7. Juli 2026 bestätigte die Berliner Zeitung unter Berufung auf ein internes Kommissionsdokument, dass Brüssel den Start von ETIAS, der Reisegenehmigungspflicht für visumfreie Besucher, auf 2027 verschoben hat. ETIAS sollte ursprünglich im vierten Quartal 2026 starten, was bedeutet hätte, dass Nicht-Visumspflichtige Reisende nach Österreich (z. B. Briten, Amerikaner, Australier) eine Online-Genehmigung für 7 Euro benötigen würden. Flughafenbetreiber (ACI Europe), Fluggesellschaften (A4E) und IATA hatten vor einem „operativen Zusammenbruch“ gewarnt, falls vor der Stabilisierung von EES eine weitere IT-Ebene hinzukommt. Die Kommission plant, nach dem Sommer eine Gesetzesvorlage einzubringen, die es den Mitgliedstaaten erlaubt, EES bei Wartezeiten von über zwei Stunden auszusetzen; Fluggesellschaften erhalten zudem eine vorübergehende Befreiung von der Pflicht, den EES-Status beim Boarding zu prüfen. Für den österreichischen Tourismus und Veranstalter von Konferenzen ist diese Atempause von großer Bedeutung. Das Nationale Tourismusbüro schätzt, dass 61 % der Langstreckenbesucher aus visumfreien Ländern kommen; die Verschiebung von ETIAS verhindert mögliche Buchungshürden für die Ski-Saison 2026/27. Unternehmen sollten jedoch wachsam bleiben: Der neue Starttermin liegt nur noch 12 bis 18 Monate entfernt, und die Regeln für API/Interactive-Advance Passenger Information werden parallel verschärft. Handlungsempfehlungen für Mobilitätsteams: • Reisende weiterhin über die EES-Fingerabdruck- und Gesichtserfassung bei der ersten Einreise informieren. • Buchungssysteme Anfang 2027 aktualisieren, um ETIAS-Nummern ähnlich wie bei der US-ESTA zu erfassen. • Für mögliche sommerliche Aussetzungen von EES am Flughafen Wien planen und Pufferzeiten in Reiseplänen einbauen. Obwohl die Verzögerung den unmittelbaren Druck mindert, ist der langfristige Trend klar: Europa bewegt sich in Richtung eines US-ähnlichen Pre-Clearance-Systems. Österreichische Akteure haben nun die Chance, sich für eine reisefreundliche Gebührenstruktur und schnelle Sammelantragsverfahren für Reiseveranstalter einzusetzen.
Quelle: Berliner Zeitung