
Das außergewöhnliche Legalisierungsprogramm Spaniens für undokumentierte Migranten schloss seine Antragsfrist am 30. Juni mit rund 1,2 Millionen eingegangenen Anträgen – mehr als doppelt so viele wie die ursprüngliche Schätzung der Regierung von 500.000 potenziellen Begünstigten. Am 6. Juli warnte das Centre on Migration, Policy and Society (COMPAS) der Universität Oxford, dass das Ministerium für Inklusion nun nur noch 90 Tage Zeit hat, um unter dem im Januar gestarteten Königlichen Dekret über Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse zu entscheiden. Das Programm bietet einen einmaligen Weg zum legalen Status für Personen, die nachweisen können, dass sie vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien lebten und weitere Kriterien erfüllen. Befürworter argumentieren, dass die Legalisierung langjähriger Bewohner aus der Schattenwirtschaft die Steuereinnahmen steigert und den Arbeitskräftemangel in der Gastronomie, Landwirtschaft und Altenpflege lindert – Branchen, die trotz nahezu rekordhoher Beschäftigung Schwierigkeiten haben, Stellen zu besetzen. Kritiker, angeführt von den Oppositionsparteien Partido Popular und Vox, befürchten, dass die Maßnahme als Anreiz für irreguläre Migration wirken könnte und hätten eine parlamentarische Debatte statt eines Eilverfahrens per Dekret bevorzugt. Rechtliche Anfechtungen sind bereits beim Obersten Gerichtshof eingegangen, doch Beobachter erwarten nicht, dass die Gerichtsverfahren die Einzelfallentscheidungen stoppen werden. Für Arbeitgeber sind die nächsten drei Monate entscheidend. Personalabteilungen mit Beschäftigten in irregulärer Situation sollten sicherstellen, dass die Anträge vollständig sind und alle Nachweise – insbesondere der Nachweis des ununterbrochenen Aufenthalts – bei Rückfragen der Behörden schnell vorgelegt werden können. Nach Erteilung der Genehmigung benötigen neue Mitarbeiter einen formellen Arbeitsvertrag, um sich innerhalb von 30 Tagen bei der Sozialversicherung anzumelden. Die letzte großangelegte Legalisierung Spaniens im Jahr 2005 bearbeitete etwa 576.000 Fälle in rund zehn Monaten. Die Behörden müssen nun mit dem Dreifachen Tempo arbeiten, um die aktuelle Frist einzuhalten – eine enorme Herausforderung für die Verwaltungskapazitäten, die künftige EU-Debatten über Legalisierungen als arbeitsmarktpolitisches Instrument beeinflussen könnte.
Quelle: COMPAS, University of Oxford
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