
Die neueste Eurostat-Analyse vom 14. September 2026 zeigt, dass in der EU weiterhin 4,43 Millionen Menschen mit vorübergehendem Schutzstatus vor dem russischen Angriff auf die Ukraine stehen. Den Löwenanteil nehmen Deutschland (29 %), Polen (22 %) und Tschechien (9 %) auf, während die Zahl der Schutzberechtigten in Italien mit 53.975 stabil bleibt – das entspricht nur 1,2 % des EU-Gesamts und weniger als 2,5 Begünstigten pro 1.000 Einwohner. Die Daten bestätigen eine allmähliche Verschiebung der Schutzzahlen von Ost nach West seit Mitte 2024, als Italien kurzzeitig über 150.000 Registrierungen verzeichnete. Laut Innenministerium sind viele Ukrainer in Italien entweder in Länder mit größeren Diasporagemeinschaften weitergezogen oder haben auf nationale Aufenthaltstitel umgestellt, die an eine Beschäftigung gebunden sind. Die Branchen mit dem größten Anteil sind häusliche Pflege, Gastgewerbe und IT-Dienstleistungen – Bereiche, in denen trotz Anreizen für die Inlandsbeschäftigung weiterhin Fachkräftemangel herrscht. Für Arbeitgeber ergibt sich daraus eine doppelte Botschaft: Erstens wird der Zugang zum ukrainischen Talentpool in Italien enger; Unternehmen, die ukrainische Sprachkenntnisse oder MINT-Profile benötigen, sollten schnell handeln, bevor Schutzberechtigte ihre erlaubte Aufenthaltsdauer ausschöpfen oder wegziehen. Zweitens hat der Rat der EU den vorübergehenden Schutzstatus offiziell bis zum 4. März 2028 verlängert, jedoch eine Ausnahme für Wehrdienstverweigerer eingeführt. Personalabteilungen müssen daher sicherstellen, dass künftige Einstellungen nicht unter diese neue Ausschlussregel fallen, um Visumsablehnungen zu vermeiden. Entsandte aus Deutschland oder Polen sollten zudem beachten, dass Italien deren bestehende Aufenthaltstitel im Rahmen der intraeuropäischen Mobilitätsregelungen anerkennt, eine Anmeldung bei der örtlichen Questura jedoch innerhalb von acht Tagen nach Einreise erforderlich ist. Mobilitätsberater sollten diesen Termin wegen aktueller Wartezeiten von bis zu vier Wochen in Rom und Mailand frühzeitig planen. Auf politischer Ebene könnte Italiens geringe Aufnahmezahl Herausforderungen mit sich bringen, wenn im nächsten Jahr der solidarische Verteilmechanismus des neuen EU-Migrations- und Asylpakts in Kraft tritt. Unternehmen müssen daher mit weiteren Anpassungen bei der Integrationsförderung auf regionaler Ebene rechnen, die geförderte Sprachkurse und Beschäftigungsdienste für ausländische Mitarbeitende betreffen.
Quelle: Integrazione Migranti / Eurostat
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