
Die Associated Press erhielt eine Anweisung vom 10. September, die Bundesunterkünfte anweist, potenzielle Menschenhandelsfälle mit unbegleiteten Minderjährigen nicht mehr direkt an das Büro für Menschenhandel (Office on Trafficking in Persons) weiterzuleiten, sondern diese stattdessen über das Büro für Flüchtlingsaufnahme (Office of Refugee Resettlement, ORR) zu leiten. Kritiker bemängeln, dass diese Änderung eine bürokratische Hürde einführt, die den Zugang zu Visa und Schutzleistungen für junge Opfer verzögern oder blockieren könnte. Nach der bisherigen Regelung hatten Betreuer 24 Stunden Zeit, Anti-Menschenhandels-Spezialisten zu informieren, sobald sie Zwangsarbeit oder sexuelle Ausbeutung vermuteten. Das neue zweistufige Verfahren, so Befürworter, überträgt lebensverändernde Entscheidungen einer Behörde, deren Hauptaufgabe die Verwaltung von Unterkünften und nicht die Identifikation von Opfern ist. Für Teams, die Familien mit unterschiedlichem Migrationsstatus umziehen, erhöht sich dadurch die Verwundbarkeit: Jugendliche, die vor Rekrutierung oder Zwangsheirat im Ausland fliehen, könnten es schwerer haben, T-Visa oder Asyl zu erhalten, sobald sie in ORR-Haft sind. Anwaltskanzleien, die humanitäre Anträge bearbeiten, erwarten einen Anstieg dringender Anträge und empfehlen, Hinweise auf Menschenhandel früh im Aufnahmeprozess zu dokumentieren. Die Trump-Administration betont, die Änderung werde die Prüfungen „vereinfachen“ und betrügerische Ansprüche eindämmen, da 95 Prozent der Berichte aus 2025 nicht als krimineller Menschenhandel eingestuft wurden. Gegner entgegnen, dass dem ORR die spezialisierte Expertise fehle und es politischen Druck gebe, Leistungen zu verweigern. Demokratische Kongressabgeordnete planen Aufsichtshörungen, doch bis dahin warnen NGOs, dass Minderjährige abgeschoben werden könnten, bevor sie die für einen langfristigen legalen Status wichtigen Opferzertifikate erhalten.
Quelle: Associated Press