
Zum zweiten Mal in Folge hat das US-Außenministerium hochrangigen Vertretern der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) die Einreisevisa verweigert. Begründet wird dies mit dem angeblichen „Versagen bei Reformen“ sowie den anhaltenden diplomatischen und rechtlichen Kampagnen gegen Israel. Dadurch wird PA-Präsident Mahmoud Abbas gezwungen sein, seine jährliche Rede vor der Generalversammlung per Videolink zu halten, sofern die UNO keine Sonderregelung trifft. Während Washington üblicherweise Ausnahmen für akkreditiertes Personal der PLO-Beobachtermission gewährt, verhindert das umfassendere Reiseverbot Treffen am Rande mit US-Gesetzgebern und Wirtschaftsvertretern, die die Palästinenser bisher zur Mobilisierung finanzieller Unterstützung nutzten. Menschenrechtsanwälte sehen darin möglicherweise einen Verstoß gegen das Headquarters Agreement, das die USA verpflichtet, eingeladenen Vertretern die Einreise nicht zu erschweren. Das Außenministerium argumentiert hingegen, dass Visasanktionen durch nationale Anti-Terror-Gesetze gedeckt und gezielt eingesetzt werden. Unternehmen, die in Infrastrukturprojekten im Westjordanland oder beim Wiederaufbau im Gazastreifen engagiert sind, sehen sich mit neuer Unsicherheit konfrontiert: Ohne direkten Kontakt in New York haben palästinensische Fachleute weniger Möglichkeiten, potenzielle Investoren über Sicherheitsgarantien oder Ausschreibungsverfahren zu informieren. Politische Analysten weisen darauf hin, dass die Visa-Verweigerung im Kontext erneuter US-Bemühungen um einen Waffenstillstand in Gaza und eine Vertiefung der arabisch-israelischen Normalisierung erfolgt. Dies deutet darauf hin, dass Washington die Visazugänge nutzt, um Druck auf die PA in Bezug auf Zahlungen an Gefangene und Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof auszuüben. Multinationale Unternehmen mit palästinensischen Lieferketten sollten mögliche Gegeneinreisebeschränkungen für US-Personal in von der PA kontrollierte Gebiete genau beobachten.
Quelle: Washington Post
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