
L’Humanité enthüllte am 25. September 2026, dass der Präfekt von Hauts-de-Seine den örtlichen Bürgermeistern ein vertrauliches Memo vorlegte, das einen Anstieg der administrativen Abschiebungen von illegalen Migranten um 52 Prozent im Jahresvergleich verkündet. Das von der Anti-Rassismus-Organisation MRAP erhaltene und der Zeitung zugespielte Dokument lobt die „enge Zusammenarbeit mit der Kommunalpolizei“ sowie den Einsatz nächtlicher Kontrollen im Geschäftsviertel La Défense. Zivilgesellschaftliche Organisationen verurteilten den Ton als entmenschlichend und wiesen darauf hin, dass viele der abgeschobenen Personen noch laufende Berufungsverfahren hatten oder auf eine arbeitgebergestützte Legalisierung im Rahmen der französischen „Exceptional Talent“-Regelungen warteten. Juristen warnen, dass beschleunigte Abschiebungen das Risiko von Verfahrensfehlern erhöhen, die später Wiedereinreiseverbote aufheben können und die Personalplanung für Unternehmen, die auf Subunternehmer angewiesen sind, erschweren. Das Innenministerium bestritt die Zahlen nicht, erklärte jedoch, sie spiegelten eine landesweite Strategie wider, einen Rückstau von 34.000 „Obligation de Quitter le Territoire Français“ (OQTF)-Anordnungen abzuarbeiten. In der Praxis könnte die Verschärfung auch auf benachbarte Präfekturen übergreifen: Laut Daten der Transportpolizeigewerkschaft stiegen die stichprobenartigen Ausweiskontrollen am Bahnhof Saint-Lazare letzte Woche um 38 Prozent. Für Arbeitgeber ist die Botschaft klar: Stellen Sie sicher, dass alle ausländischen Mitarbeiter – einschließlich Praktikanten und entsandter Arbeitnehmer – jederzeit gültige Aufenthaltspapiere bei sich tragen und starten Sie Erneuerungsprozesse mindestens vier Monate vor Ablauf. Unternehmen, die Personen ohne Genehmigung beschäftigen, drohen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro pro Mitarbeiter sowie der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. Relocation-Dienstleister sollten mit erhöhter Verunsicherung bei Entsandten rechnen und gegebenenfalls rechtliche Hotlines oder Informationsveranstaltungen zu Arbeitnehmerrechten bei Ausweiskontrollen anbieten.
Quelle: L’Humanité / MRAP