
Genau zwei Jahre vor dem Anpfiff haben die American Civil Liberties Union, Amnesty International und 120 weitere NGOs am 23. April eine beispiellose „Reisewarnung“ herausgegeben, die ausländische Fans und Spieler vor verschärften Einwanderungskontrollen, Risiken für Bürgerrechte und Kautionsanforderungen im Zusammenhang mit der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den USA warnt. Die Erklärung fordert Besucher dazu auf, bei der Einreise in die Vereinigten Staaten „besonders vorsichtig“ zu sein und verweist auf Daten zu rassistischer Profilierung an Grenzkontrollen sowie die anhaltende Anwendung der beschleunigten Abschiebung gemäß § 235(b)(1) des Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes. Besonders besorgniserregend ist für die Aktivisten die Wiederaufnahme des Visa Bond Pilotprogramms durch die Trump-Administration, das Konsulatsbeamten erlaubt, von Staatsangehörigen aus 50 Ländern, die als Überziehungsrisiko gelten – darunter fünf bereits qualifizierte WM-Teams – eine rückzahlbare Kaution von bis zu 15.000 US-Dollar zu verlangen. Zudem wird auf bundesstaatliche Gesetze in Texas und Arizona hingewiesen, die es der örtlichen Polizei erlauben, bei Verkehrskontrollen den Einwanderungsstatus zu überprüfen – eine Maßnahme, mit der Besucher möglicherweise nicht rechnen. Die Warnung setzt auch die FIFA unter Druck. The Athletic berichtete diesen Monat, dass Präsident Gianni Infantino erwägt, direkt das Weiße Haus anzusprechen, um bestimmte Durchsetzungsmaßnahmen während des Turniers auszusetzen, da strenge Kontrollen den Ticketverkauf beeinträchtigen und das globale Image des Events schädigen könnten. Gastgeberstädte wie Miami, Los Angeles und Dallas haben bereits Kontakt zu Konsulaten aufgenommen, um Reisende zu beruhigen, konkrete politische Zugeständnisse stehen jedoch noch aus. Für Unternehmenssponsoren und Dienstleister im Gastgewerbe ist die Warnung ein Alarmsignal. Mobility-Teams, die kurzfristige Einsätze, Kundenveranstaltungen oder VIP-Besuche planen, müssen nun längere Visa-Vorlaufzeiten, mögliche Kautionszahlungen und Reputationsrisiken bei diskriminierender Behandlung ihrer Mitarbeiter einkalkulieren. Unternehmen sollten mit Einwanderungsrechtsexperten zusammenarbeiten, um Gästelisten vorab zu prüfen, ESTA-Genehmigungen frühzeitig zu sichern und Sensibilisierungstrainings anzubieten. Ob die Warnung die US-Politik tatsächlich verändert, bleibt abzuwarten, doch sie hat bereits die weltweite Aufmerksamkeit auf die amerikanischen Grenzpraktiken im Vorfeld der bislang lukrativsten WM gelenkt.
Quelle: Al Jazeera