
In einem Schritt, der von Reiseleitern und in der Schweiz ansässigen multinationalen Unternehmen mit Ostafrika-Geschäften begrüßt wird, hat der Bundesrat am 12. Juni 2026 bekanntgegeben, dass die vor zwei Jahren verhängten Sondervisa-Beschränkungen für Äthiopien sofort aufgehoben werden. Die im Jahr 2024 – im Einklang mit der Europäischen Union – eingeführten Maßnahmen hatten von den meisten äthiopischen Antragstellern umfangreiche Nachweise verlangt, volle Gebühren erhoben und längere Bearbeitungszeiten vorgesehen, da Addis Abeba als wenig kooperativ bei der Rückführung irregulärer Migranten eingestuft wurde. Die EU setzte im Mai die regulären Schengen-Visabestimmungen wieder in Kraft, nachdem sie die äthiopische Zusammenarbeit bei Rückführungen als „deutlich verbessert“ bewertet hatte. Als assoziierter Schengen-Staat ist die Schweiz diesem Beispiel nun gefolgt. Ab sofort können Schweizer Vertretungen bestimmte Nachweise erlassen, Inhaber von Diplomaten- und Dienstpässen von der Visagebühr von 80 CHF befreien, Mehrfacheinreisen bewilligen und Anträge innerhalb von 15 Tagen bearbeiten. Unternehmen, die Mitarbeiter aus Addis Abeba oder der äthiopischen Diaspora zu Meetings in Basel oder Genf entsenden, können somit mit schnelleren Bearbeitungszeiten rechnen – eine willkommene Entwicklung vor der Herbstmesse-Saison. Compliance-Teams sollten beachten, dass alle anderen Schengen-Anforderungen (biometrische Erfassung, Krankenversicherung, Nachweis des Aufenthaltszwecks) unverändert bleiben. Arbeitgeber werden empfohlen, ihre Einladungsschreiben-Vorlagen zu überprüfen und die Reisehinweise im Intranet an die verkürzten Bearbeitungszeiten anzupassen. Personalabteilungen sollten zudem die Ablehnungsquoten im kommenden Quartal beobachten; die Nachbarländer der EU werden die Schweizer Praxis genau verfolgen, und ein Anstieg nicht konformer Anträge könnte Brüssel dazu veranlassen, die Lockerungen erneut zu überprüfen. Für die Schweizer Behörden signalisiert die Entscheidung zudem, dass das Land trotz innenpolitischem Druck zur Verschärfung der Einwanderungsregeln vor dem Referendum am Sonntag zur Bevölkerungsobergrenze von zehn Millionen weiterhin die EU-Visapolitik mitträgt.