
Grenzgänger rund um den Genfersee erlebten am 11. Juni einen völlig veränderten Alltag: 21 der 28 Straßenübergänge zwischen Frankreich und der Schweiz wurden geschlossen, und die vollständigen Passkontrollen wurden wieder eingeführt. Die vorübergehenden Kontrollen, die gemäß Schengen-Regeln genehmigt wurden, bleiben bis zum 18. Juni bestehen, um den G7-Gipfel in Évian-les-Bains abzusichern. Die Schweizer Behörden haben bis zu 5.000 Soldaten eingesetzt, während Frankreich 6.100 Gendarmen und 1.400 Fahrzeuge mobilisiert hat. Auch der Bahnverkehr ist betroffen: Die Léman Express-Verbindungen sowie TER-Züge zwischen Évian und Thonon sind ausgesetzt. Die Präfektur Haute-Savoie ruft Arbeitgeber dazu auf, Homeoffice zu ermöglichen, doch Pflegekräfte und Schichtarbeiter am Flughafen Genf kämpfen damit, den neuen „Pass G7“ rechtzeitig zu erhalten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind sofort spürbar. Logistikunternehmen melden Umleitungskosten von 250 bis 400 Euro pro Lkw, da Fahrer auf die sieben noch geöffneten Übergänge ausweichen müssen, darunter Ferney-Voltaire und Bardonnex. Multinationale Unternehmen mit Standorten in Genf und Annecy warnen vor Projektverzögerungen und Überstunden, da Fahrten, die normalerweise 20 Minuten dauern, während der Stoßzeiten nun über zwei Stunden in Anspruch nehmen. Der Vorfall stellt einen realen Belastungstest für die Schengen-Regelung zum Schutz der Binnengrenzen dar – ein wichtiger Prüfstein vor den Olympischen Spielen in Paris diesen Sommer. Mobilitätsmanager sollten Notfallpläne für dringende Einsätze überprüfen, Lagerbestände auf beiden Seiten der Grenze anlegen und Reisende darauf hinweisen, auch bei EU-Ausweisen einen Reisepass mitzuführen. Die Behörden auf beiden Seiten betonen, dass die Maßnahmen am 18. Juni wieder aufgehoben werden, doch Gewerkschaften der Zollbeamten deuten an, dass die Kontrollen bei Protesten während des Gipfels verlängert werden könnten – eine weitere Unsicherheitsvariable für die grenzüberschreitenden Arbeitskräfte.
Quelle: Euronews
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