
Um Mitternacht am 12. Juni trat der lange diskutierte Pakt zu Migration und Asyl offiziell in der gesamten Europäischen Union in Kraft. Dennoch wachten polnische Bürger und Arbeitgeber mit Schlagzeilen auf, die betonten, dass Warschau vorerst keine verpflichtenden Migrantenumsiedlungen akzeptieren oder die 20.000-Euro-„Solidaritätsgebühr“ pro abgelehntem Antragsteller zahlen muss, wie es anderswo der Fall ist. Laut einem an das Portal Fakt/Onet durchgesickerten Regierungspapier sicherte Außenminister Radosław Sikorski während der abschließenden Trilogverhandlungen im April eine zwölfmonatige Ausnahmeregelung. Im Rahmen dieser Ausnahme verpflichtet sich Polen nur zu den Abschnitten, die die Kontrolle an den Außengrenzen, beschleunigte Rückführungen und gemeinsame Sicherheitsdatenbanken stärken – Bereiche, die Warschau seit langem unterstützt – während der politisch heikle Umverteilungsmechanismus mindestens bis Juli 2027 verschoben wird. Für global agierende Unternehmen nimmt die Ausnahme die unmittelbare Sorge, dass Polen verpflichtende Quoten für Aufnahmezentren in der Nähe großer Industriegebiete einführen könnte. Personalverantwortliche, die von der Polnischen Arbeitgeberkonföderation befragt wurden, sagen, die Atempause gebe den Firmen Zeit, den Unterkunftsbestand zu prüfen, Krisenpläne zu erstellen und lokale Behörden einzubinden, bevor ein zukünftiger Zustrom auferlegt wird. Juristen warnen jedoch, dass der Opt-out nur teilweise gilt. Ab September müssen polnische Konsulate bei der Ausstellung von Schengen-Visa weiterhin neue biometrische und Interoperabilitätsregeln anwenden, und Fluggesellschaften müssen Passagierdaten im überarbeiteten EU-Einreise-/Ausreisesystem hochladen. Unternehmen, die auf rotierende Techniker aus Nicht-EU-Ländern angewiesen sind, sollten jetzt ihre Vorlaufzeiten überprüfen, raten Experten. Politisch hofft die Koalition von Ministerpräsident Donald Tusk, dass das Abkommen Kritik von nationalistischer Seite vor den Regionalwahlen im Oktober abschwächt. Die Oppositionsabgeordneten haben jedoch einen Antrag eingebracht, der verlangt, dass jede Verlängerung des Opt-outs vom Parlament ratifiziert werden muss – was die Unsicherheit für Mobilitätsplaner über 2027 hinaus erhöht.
Quelle: Onet/Fakt
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