
Frankreich und Italien haben sich zusammengeschlossen, um einen Vorschlag in Brüssel zu blockieren, der russischen Kampfteilnehmern den Zugang zum Schengen-Raum automatisch verweigern würde. Die Maßnahme, die von einer Gruppe nordischer und baltischer Staaten im Rahmen des 21. Sanktionspakets der EU gegen Moskau vorangetrieben wird, würde Konsulate verpflichten, Kurzzeitvisa für Antragsteller mit militärischem Dienst in der Vergangenheit abzulehnen oder später zu widerrufen. Paris argumentiert, dass der Plan in den Bereich der Visapolitik eingreift, in dem das EU-Recht den Mitgliedstaaten einen weiten Ermessensspielraum einräumt. Französische Diplomaten verweisen zudem auf „enorme“ praktische Hürden: Konsulate bräuchten verlässliche Nachweise über den Militärdienst der Antragsteller, und Grenzbeamte müssten in Echtzeit auf eine wasserdichte Datenbank mit Tausenden von Namen zugreifen können. Das Innenministerium befürchtet, dass ohne diese Sicherungen die Regel zu kostspieligen Gerichtsverfahren führen und das ohnehin stark belastete Visaverfahren verstopfen könnte – 2025 wurden fast 180.000 russische Anträge bearbeitet, die höchste Zahl aller Schengen-Staaten. Wirtschaftsverbände warnen, dass ein pauschales Verbot Frankreichs Tourismussektor im Wert von 58 Milliarden Euro treffen könnte, gerade jetzt, wo die Besucherzahlen wieder steigen. Viele russische Reisende würden Premium-Reiserouten nutzen und so Arbeitsplätze im gehobenen Einzelhandel und Gastgewerbe in Paris, an der Côte d’Azur und in den Alpen sichern. Der französische Reiseverband Seto schätzt, dass die Ausgaben russischer Besucher im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro überstiegen. Sicherheitsbefürworter entgegnen, dass es ein unvertretbares Risiko darstelle, ehemaligen Soldaten aus einem aktiven Kriegsgebiet freien Zugang zu Europa zu gewähren. EU-Beamte prüfen zwei Alternativlösungen: (1) Warnhinweise im Schengen-Informationssystem einzufügen, sodass einzelne Staaten an der Grenze fallweise entscheiden können, und (2) eine Frage zum Militärdienst im Standard-Visumantrag aufzunehmen, die gegebenenfalls auf Betrug überprüft wird. Beide Lösungen erfordern jedoch die einstimmige Zustimmung der Mitgliedstaaten – was Paris de facto ein Veto sichert. Die Verhandlungen werden nächste Woche fortgesetzt; Diplomaten betonen, dass vor Mitte Juli ein Kompromiss gefunden werden muss, um eine erneute Öffnung des gesamten Sanktionspakets zu vermeiden. Für französische Unternehmen, die auf Schengen-Mobilität angewiesen sind, wird das Ergebnis zeigen, ob Brüssel bereit ist, wirtschaftliche Interessen der Sicherheit unterzuordnen – oder ob die nationalen Hauptstädte weiterhin das letzte Wort bei der Visa-Vergabe behalten.
Quelle: Euronews
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