
Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat ihre Warnungen verstärkt, dass das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) der Europäischen Union in diesem Sommer „nicht bewältigbare Warteschlangen“ für Millionen britischer Reisender auf dem Weg zum Kontinent verursachen könnte. Ab heute (2. Juli) müssen alle Nicht-EU-Reisenden, die zum ersten Mal in den Schengen-Raum einreisen, vier Fingerabdrücke und ein Gesichtsfoto hinterlegen. In einer scharf formulierten Erklärung nennt Ryanair sieben Flughäfen – darunter Teneriffa Süd, Palma de Mallorca, Alicante, Málaga, Mailand Bergamo, Krakau und Paris Beauvais – an denen es bereits zu Engpässen kommt, die Passagiere ihre Flüge zurück ins Vereinigte Königreich verpassen lassen. Die Airline fordert Brüssel auf, den Mitgliedstaaten zu erlauben, die Kontrollen bis nach der Hauptsaison im Juli und August auszusetzen, mit der Begründung, „Familien sollten nicht als Versuchskaninchen für ein halbgares Grenzsystem herhalten müssen.“ Airlines for Europe (A4E) und der Airports Council International (ACI Europe) teilen diese Bedenken und verlangen ein dringendes Treffen mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Branchenvertreter berichten, dass die Infrastruktur zur Erfassung von Fingerabdrücken bei hunderten Passagieren eines einzigen Großraumflugzeugs an vielen Regionalflughäfen noch unvollständig ist; das Personal sieht sich zunehmend mit Frust und Aggressionen von Reisenden konfrontiert, und die Fluggesellschaften müssen mit Verspätungen und Entschädigungsforderungen nach EU-Verordnung 261 rechnen. Für britische Unternehmen ist das Problem mehr als nur ein Urlaubsärgernis. Da die meisten Geschäftsreisen heute auf zwei Tage komprimiert sind, kann eine einstündige Grenzwartezeit ein Viertel eines Verkaufsgesprächs zunichtemachen oder teure Übernachtungen erzwingen. Global Mobility Manager werden daher geraten, Mitarbeiter darauf hinzuweisen, dass die erstmalige EES-Anmeldung „fünf bis zehn Minuten pro Reisendem“ dauern kann und das Risiko verpasster Anschlussflüge bei der Reiseplanung zu berücksichtigen. Ryanairs Intervention erhöht den Druck auf die Europäische Kommission, die darauf besteht, dass die durchschnittliche Bearbeitungszeit unter 70 Sekunden liegt und Flughäfen bei Spitzenzeiten die biometrische Erfassung aussetzen dürfen. Ob diese Flexibilität genutzt wird, könnte entscheiden, ob die britische Presse die Flughäfen auf dem Kontinent erneut als Schwachstelle im Sommerreiseverkehr darstellt.
Quelle: The Guardian