
Ein am 17. Juli vom House of Commons Library veröffentlichter Forschungsbericht bietet die bislang umfassendste Analyse darüber, wie das EU-Ein- und Ausreisesystem (EES) und das kommende Europäische Reiseinformations- und Genehmigungssystem (ETIAS) die Reisebedingungen für britische Staatsbürger verändern werden. Das 40-seitige Papier dokumentiert wiederholte Verzögerungen beim Start – das EES ging schließlich im Oktober 2025 live, ist aber an vielen Land- und Seegrenzen nur teilweise einsatzfähig – und erklärt, warum es insbesondere an den UK-Nebenstellenkontrollen in Dover, Folkestone und St Pancras zu erheblichen Engpässen kommt. Für Arbeitgeber besonders relevant: Der Bericht bestätigt, dass EES-Daten in Schengen-Datenbanken für Überzieher einfließen, was Grenzbeamten ermöglicht, Geschäftsreisenden die Einreise zu verweigern, wenn sie die erlaubten Aufenthaltszeiten über mehrere Reisen hinweg überschreiten. Unternehmen werden dringend aufgefordert, die Reisegewohnheiten ihrer Mitarbeiter zu überprüfen und digitale Tageszähler-Tools frühzeitig vor der vollständigen Durchsetzung einzuführen. Die Library warnt zudem, dass ETIAS, geplant für „Ende 2026, möglicherweise mit weiteren Verzögerungen“, eine zusätzliche Verwaltungsebene schafft: Inhaber britischer Pässe müssen für eine dreijährige Genehmigung 7 Euro zahlen, ähnlich dem britischen ETA-System. Reiseverwaltungsfirmen sollten sich auf Sammelanträge für Vielflieger vorbereiten, so die Autoren. Der Bericht verweist auf laufende UK-EU-Gespräche zur Nutzung der neuen Frontex-App „Travel to Europe“ zur Vorregistrierung biometrischer Daten, betont jedoch, dass Fingerabdrücke weiterhin persönlich erfasst werden müssen. Für Dover wird nach erfolgreichen Tests eine schrittweise Einführung von Kiosken für Autofahrer empfohlen, da die Registrierung dort bis zu sieben Minuten pro Fahrzeug dauern kann. Obwohl nicht bindend, werden die Briefings der Commons Library in Whitehall und der Industrie breit rezipiert; ihre Veröffentlichung geht oft mit mündlichen Erklärungen oder Anhörungen in Ausschüssen einher. Mobilitätsfachleute sollten mit weiterer parlamentarischer Kontrolle der EES-Leistung rechnen, wenn die Abgeordneten aus der Sommerpause zurückkehren.
Quelle: House of Commons Library