
Die anhaltende Hitzewelle in Europa verändert die Reisegewohnheiten innerhalb der Schweiz. Die Tourismusverbände in Graubünden, Heimat von Ferienorten wie Davos-Klosters, St. Moritz und Arosa, berichteten am 1. August von einem starken Anstieg spontaner Buchungen, da Schweizer und Bewohner der Nachbarländer der drückenden Hitze in den Tieflagen entfliehen. Eine Blitzumfrage von Schweiz Tourismus zeigt, dass die Hotelreservierungen für dieselbe Woche im Vergleich zur gleichen Woche 2025 um 17 Prozent gestiegen sind. Luzi Bürkli von Graubünden Ferien erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass die Anfragen deutlich zunehmen, sobald die Temperaturen in Zürich oder Mailand 32 °C überschreiten. Die Bergbahnen haben ihre Kapazitäten erhöht, und einige Hotels haben geschlossene Flügel wieder geöffnet, um der Nachfrage gerecht zu werden. Zwei Drittel des Anstiegs entfallen auf inländische Touristen, doch auch Hoteliers verzeichnen mehr Gäste aus Deutschland und Italien, die normalerweise an die Mittelmeerstrände reisen würden. Für die Mobilitätsanbieter bedeutet der Trend eine unerwartete Belastung der alpinen Verkehrsachsen. Die Rhätische Bahn hat zusätzliche Wagen auf der Strecke Chur–St. Moritz eingesetzt, und Autovermietungen in Landquart verzeichnen Fahrzeugmangel. Arbeitgeber mit Mitarbeitenden in verlängerten „Workcation“-Arrangements sollten sicherstellen, dass die temporären Unterkünfte den Arbeitsschutzvorschriften entsprechen und dass Grenzgänger, die länger in der Schweiz bleiben, die steuerlichen Freibeträge nicht überschreiten. Der Boom ist eine gute Nachricht für eine Branche, die sich noch von den pandemiebedingten Einbußen bei internationalen Fernreisenden und den Reiseeinschränkungen im Nahen Osten im Frühjahr erholt. Sollten die hohen Temperaturen anhalten, erwarten Analysten von Credit Suisse Tourism, dass die Übernachtungszahlen in Graubünden den Rekordwert von 2,61 Millionen aus dem Sommer 2025 übertreffen und so die lokale Beschäftigung sowie die Mehrwertsteuereinnahmen steigern. Die regionalen Behörden warnen jedoch, dass Bergrettungsdienste und Wasserversorgung stärker belastet werden. Besucher werden aufgefordert, Bahnsitze und Berghütten im Voraus zu reservieren und die Feuerverbote in den von Dürre betroffenen Wäldern zu beachten. Mobilitätsanbieter betonen, dass die in diesem Jahr gewonnenen Erkenntnisse in die Kapazitätsplanung für künftige, klimabedingte Touristenströme einfließen werden.
Quelle: SWI swissinfo.ch
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